Jakob Augstein geht immer. Der Mann bringt Klicks und Quoten. Er verdankt seine Popularität seinem großen Namen (Augstein), seinen Genen (Walser – war da nicht auch mal was mit Schlußstrich?) und einem fetten Erbe und  wurde nun von qualifizierter Quelle zu einem der weltweit führenden Antisemiten gekürt. Das ist nicht neu. Neu allerdings ist, dass ihm von FAZ bis TAZ eine weite Medienfront beispringt. Kritik an Israel muss doch erlaubt sein. Was uns zu der Frage bringt: Was zeichnet einen Antisemiten eigentlich aus?

Die Antwort ist relativ einfach: Zweierlei Maß. Wenn die Israelis erst den GAZA-Streifen von Siedlungen geräumt haben und dann die HAMAS dort ein Terrorregime errichtet, mit dem die eigene Bevölkerung unterdrückt und der “bewaffneten Kampf” gegen den zionistischen Staat ausrufen, den sie zu vernichten trachten, dann handelt es sich aus der Sicht des Antisemiten um ein israelisches Ghetto oder Gefängnis. Wenn von der Atombombe des iranischen Terrorregimes, das seine Gegner nicht nur ermordet und foltert sondern auch gerne von seinen Schergen vergewaltigen lässt, wobei hier offensichtlich Gleichberechtigung unter den Opfern gilt, keine Gefahr ausgeht, während die der Israelis den Weltfrieden bedroht, obwohl sie schon seit Jahrzehnten darüber verfügt, dann muss man auch von einem antisemitischen Weltbild sprechen. Doch Augstein, FAZ und TAZ sind nicht allein. Im Jahresrückblick Album nannte Heute-Moderator Frohnhoff als Ursache nicht etwa das Raketendauerfeuer aus Hamastan bis hin nach Tel Aviv. Sondern die zielgenaue Liquidierung des Hamas-Terrorchefs, der Zeit seines Lebens möglichst viel Israelis nach dem Leben trachteten.

Wer also Israel kritisieren will, kann und soll das gerne tun. Aber er sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sondern mit einem Maßstab messen. Dann werden allerdings Rebellen und Freiheitskämpfer zu Terroristen und Opfer zu Tätern und Aggressoren.

Augstein hat übrigens eine perfide Form mit denjenigen umzugehen, die ihn einen Antisemiten nennen. Er begegnet Broder und dem Wiesenthal-Center mit scheinbarem Respekt. Sein gesundes Selbstbewusstsein scheint aber nicht darunter zu leiden.