Ab heute gibt es bei der Welt eine Bezahlschranke. Qualitätsjournalismus, so denkt man bei Springer, muss sich rechnen. Das mag stimmen. Doch selbst beim Konservativ-Liberalen Flaggschiff stellt sich die Frage, ob das, was man bei Welt Online zu lesen kriegt, wirklich Qualitätsjournalismus ist. 

Für den Leser erschließt sich die Qualität über den Nutzen, den der jeweilige Inhalt ihm verspricht. Je exklusiver, desto teurer. Und das ist die Krux, wenn man einen Streifzug durch die virtuelle Medienwelt unternimmt. Denn statt Vielfalt schlägt einem ein virtueller Einheitsbrei entgegen, der verdächtig an das “Manna” aus Huxleys schöner neuen Welt erinnert. Davon wird man allenfalls betäubt, aber man zahlt nicht auch noch dafür.

Hinzu kommt, dass alle Medien ihren virtuellen Bauchladen bis zur Unkenntnlichkeit erweitern. Und so schaffen es Boulevard-Themen, die es in der gedruckten Ausgabe allenfalls auf die letzte Seite geschafft hätten, auf die Stelle des Aufmachers. Will ich aber wirklich Bohlen in der FAZ und irgendwelche amerikanische Starlets bei Welt Online konsumieren: Nein.

Zweifelsohne ist die Krise des Qualitätsjournalismus eine Qualitätskrise. Auch weil die nachgelassen hat, sinkt die Zahlungsbereitschaft des Lesers. Das Internet böte so viele Chancen, einen offenen Diskurs zu wagen, ohne Tabus Themen zu diskutieren und gerade vermeintliche Minderheiten zu Wort kommen zu lassen. Stattdessen erwartet uns von der Finanzkrise bis zum  Klimawandel bis zur EURO-Rettung von einer vermeintlichen Staatsräson getriebener Mainstream-Brei. Kritiker werden zu Skeptikern degeneriert und ausgegrenzt.

Auch betriebswirtschaftlich ist die Medienbranche auf dem falschen Fuß. Die Produktion digitaler Inhalte und deren elektronische Verbreitung ist bei weitem billiger wie Druck und physische Distribution von Tageszeitungen und Zeitschriften. Und es ist ganz offensichtlich, dass man in den Verlagen dieselben Wasserköpfe unterhält, die man sich früher bei einer Umsatzrendite von 25% gut leisten könnte. Statt an der Verwaltung spart man aber am Inhalt. Man soll halt nicht die Frösche fragen, wenn man den Teich austrocknen will (Otto Graf Lambsdorff).

Dass es anders geht, zeigen Medien wie die Financial Times (London), der Economist oder das Wall-Street Journal. Die haben Bezahlschranken eingeführt und können damit Geld verdienen, weil sie eine Expertise bieten, die andernorts nicht zu bekommen ist. Und das ist dann auch etwas wert.

Nun mögen die WELT-Macher stöhnen, dass sie mit Broder, Boess, Wergin und Konsorten eine veritable Kommentatoren-Schar versammelt haben. Aber auch bei der FAZ gibt es Göbel und Rainer Hank. Und vor allen Dingen in der Blogosphäre viel “kostenlose” Expertise. Aber das reicht noch nicht.

Dabei hätten wir mehr Qualität im Journalismus dringend nötig.