Die Sache ist einfach, Herr Khoury“, erwiderte ich, „Aktionen, die amerikanische Militärziele treffen, sind Widerstand. Irakische Zivilisten zu töten ist Terrorismus.“ „Beispiel!“, forderte er. „Na, gestern wurde das Al-Rashid-Hotel, in dem die amerikanische Armee ihren Generalstab hat, mit Raketen beschossen. Das ist Widerstand.“ „Aktham! Ich war im Hotel. Die Explosionen waren so nah, dass ich vom Bett gefallen bin. Einige Freunde und Kollegen von mir sind verletzt worden.“

So macht sich der bisherige Deutschland-Korrespondent des arabischen “Nachrichtensenders” unverdächtig in der FAZ, um gleich darauf zu begründen, warum der Sender Propaganda transportiert: 

Eine Moderatorin bekommt Gegenwind, weil sie einen Muslim-Bruder zu sehr in die Enge getrieben haben soll, Bilder von bereits 2011 gefilmten bewaffneten Re,volutionären seien nicht gefilmt worden.

AKTHAM SULIMAN, unser Fachmann für Völker- und Kriegsrecht versucht immerhin abzuwägen:

 Die Regimeanhänger wollten zeigen, dass die Aufständischen nur „bewaffnete Banden“ sind. Die Regimegegner wollten zeigen, dass Gewalt nur von der syrischen Armee ausgeht.

Und beschreibt ein Stück weiter:

Er sagte, man nehme es mit der Genauigkeit leider nicht mehr so ernst, wie es sich gehöre, und erzählte von seinem Cousin, der auf dem Bildschirm des Senders einige Tage zuvor in einem Video als Überläufer des syrischen Militärs zu sehen war. Dieser soll angeblich in der kurzen, von den Rebellen ins Internet gestellten Aufnahme die Seite zur „Freien Syrischen Armee“, also zu den Rebellen, gewechselt haben.

Das könne doch zutreffen, sagte ein Kollege. „Eben nicht. Das war ein Geiselvideo. Die Angst meines Cousins, der zuvor von den Rebellen gefangen genommen wurde, war nicht zu übersehen.“ Später wird Fadi erzählen, dass man sich bei Al Dschazira inzwischen anmaße, besser zu wissen, was mit jemandem in Syrien passiere, als die eigenen Familienmitglieder.

Unter zwei Aspekten hat Aktham Suliman durchaus recht. Es ist schwer, sich von dem mittlerweile aus den Schlagzeilen verschwundenen Bürgerkrieg ein Bild zu machen. Assad muß weg. Aber was kommt dann.

Dass der arabische Frühling kein linearer sondern ein dynamischer Prozess ist, der auf dem Weg zum Land, in dem Milch und Honig fließen, einige Rückschläge bereit hält, zeigen auch die ägyptischen Tumulte.

Und er hat auch Recht, dass AL Jazeera kein journalistisches Angebot ist, sondern Partei. Das aber war schon immer so. Die Scheichs von Quatar haben den Sender nicht gegründet, damit der über ihren eigenen Folter-Apparat berichtet. Er operiert nur, weil sie eine Botschaft damit verfolgen. Und die führt zurück ins Mittelalter.