SPON Agrarzocker

Man kann in der Überschrift und im Vorspann das Zähneknirschen förmlich spüren:

Sie verdienen an knappen Nahrungsmitteln, während Millionen Menschen hungern. Agrarspekulanten gelten als das personifizierte Böse.

So blökt es dem geneigten Leser auf SPON in gewohnt antikapitalistischer Manier entgegen, aber dann muss es raus:

Doch jetzt konstatiert eine Studie: Die Zocker haben kaum Einfluss auf die Lebensmittelpreise – und helfen sogar Bauern, sich gegen Schwankungen abzusichern.

Wer jetzt laut loslacht der sollte sich bewusst machen, dass solche Banalitäten für linksfühlende Qualitätsjournalisten sensationelle Neuigkeiten darstellen. Und weil diese Leute in unseren Medien den Ton angeben bedarf es eigens angefertigter Studien, um simpelste marktwirtschaftliche Mechanismen offen zu legen, die da lauten: Realwirtschaftliche Entwicklungen bestimmen die Preise von Güter und Spekulanten erfüllen eine wichtige Funktion, weil sie Käufern und Verkäufern helfen, sich gegen Preisschwankungen abzusichern, was das Risiko beider Parteien mindert. All die Schreihälse aus dem Bessermenschen-Business, die im Namen der Hungernden dieser Erde ein Verbot von Spekulation auf Nahrungsmittel forderten, hätten den Menschen in den Entwicklungsländern also einen Bärendienst erwiesen. Es wird wirklich Zeit, dass diesen ideologisierten Dummbeuteln die Diskurshoheit über derart wichtige Themen entrissen wird.

Aber zurück zu den Gründen für den Preisanstieg. Da werden das starke Wachstum und der zunehmende Wohlstand in den Schwellenländern genannt, die die Nachfrage ankurbeln. Langfristig gesehen ist das eigentlich eine gute Nachricht, auch wenn die hauptberuflichen Kassandras aus den Entwicklungshilfezirkeln das sicher nicht so gerne hören werden. Außerdem werden zwei staatliche Maßnahmen, nämlich Exportverbote und die Subventionierung von Bio-Energie, als Preistreiber genannt. Stimmt, da war doch was. Unsere allwissende EUkratur hat 2009 die Beimischungspflicht für Biosprit eingeführt, das ganze kulminierte bekanntlich im E-10 Desaster. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang besonders gerne an den Kommentar des rasenden Reporters Jakob Augstein, der E10-Verweigerer mit Tiervergleichen und Nazi-Analogien überzog. Ob wir demnächst einen fulminanten Artikel von ihm lesen werden, der die Machenschaften der Biosprit-Lobby und ihre Mitverantwortung für den Hunger in der Welt anprangert? Oder die Handelsschranken, mit denen die EU Waren aus Entwicklungsländern vom heimischen Markt fernhält? Wir dürfen gespannt sein.

Die Augsteins dieser Welt werden es nie kapieren, aber eigentlich ist es ganz einfach: Marktwirtschaft ermöglicht einen fairen und effizienten Austausch von Waren, wovon langfristig alle Marktteilnehmer profitieren, was wiederum das gesamtgesellschaftliche Wohl befördert. Staatliche Eingriffe wie Subventionen, Exportverbote und Einfuhrzölle verzerren Märkte und fördern in letzter Konsequenz Armut und Hunger. Und die ahnungslosen Bessermenschen, die in den Medien und im Kolonialverwaltungen Entwicklungshilfebusiness ihr Unwesen treiben, sind so überflüssig wie die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung.