Vor ein paar Tagen war auf SPON ein verwirrtes Pamphlet „für mehr öffentliche Empörung“ zu lesen. Claudia Langer, ihres Zeichens Nutznießerin des öko-industriellen Komplexes, beklagte darin alles, was es zu beklagen gibt und noch viel mehr: Klimawandel, Schuldenkrise, Nazis, Hungersnöte – mit einem Wort die üblichen Verdächtigen.

Schuld an diesen „Realitäten unserer Zeit“  sind wir irgendwie alle – und das findet Frau Langer einfach mal so richtig schlimm:

Seien wir ehrlich, wir alle wissen, dass Dürren längst ganze Völker in die Flucht treiben. Schuld ist der Klimawandel, also wir. Wir wissen, dass unsere sozialen Systeme kollabieren – von Athen bis Lissabon fliegen die Steine, brennen die Barrikaden. Schuld ist die Gier, also wir. Wir wissen, dass Kriege unserem unstillbaren Hunger nach Rohstoffen geschuldet sind.

Auf eine derart diffuse Analyse der aktuellen politischen Situation können schwerlich profunde Lösungsvorschläge folgen und so bleibt es bei dem Ruf nach jemandem, der „beherzt über das Große und Ganze“ nachdenkt, denn Frau Langer ist „es leid, in einem Land zu leben, in dem Politiker ihre Konzeptionslosigkeit hinter Worten verstecken“. In was für einem Land möchte die Dame denn leben? In einem, in dem der von ihr herbei geschriebene beherzte Führer wortlos Tatsachen schafft?

Nein, so war das natürlich nicht gemeint. Die Verfasserin ist nur eine völlig ahnungs- und konzeptlose Betroffenheitsnudel, die „der Politik“ permanent Konzeptlosigkeit vorwirft. Das wirkt lächerlich, doch letztlich wird hier eine alte linke Tradition gepflegt: Das Anprangern und Sich-Empören. Dabei ist es unerheblich, ob man die Zustände, die man kritisiert, wirklich kennt oder deren Ursachen verstanden hat.  Es kann sogar vorkommen, dass leidenschaftlich angeprangerte Phänomene gar nicht existieren, siehe israelischer Apartheidstaat oder Waldsterben. Oft geht auch die Ursachenforschung der Empörten völlig ins Leere. Man denke nur an all die Pazifisten die heute noch predigen, dass „die schlimme Armut in der dritten Welt“ den Millionärssohn Osama bin Laden zum Terroristen gemacht hätte. Aber das ist alles zweitrangig, denn letztlich liegt Sinn und Zweck der Übung darin, sich selbst als Mitglied des globalen Guten kenntlich zu machen, in dem man entschieden feststellt, dass es so aber nun wirklich nicht weiter gehe. Und wenn doch, dann ist man traurig und betroffen. Danach greift man zum Rotwein und lobt sich gegenseitig für das eben gezeigte couragierte Engagement.

Eigentlich ist das nicht schlimm, jeder hat schließlich seine Hobbies. Doch weil linksfühlende Menschen heute selbst in der CDU in der Mehrheit sind, bestimmen politische Konzepte aus dem Wolkenkuckucksheim der dauerbetroffenen Berufsempörer zunehmend die Realpolitik. Und so kam es dann zu einer „Energiewende“, die sowohl den CO2-Ausstoß verringern als auch die Atomkraft abschaffen will – geht nicht, gibt’s aber trotzdem. Oder einer Geldpolitik, die im Namen der „Solidarität“ den Mittelstand ausplündert, um Kleptokratien in der gesamten Eurozone „retten“ zu können. Wer ersteres kritisierte ist ein  klimaleugnender Atomlobbyist, wer letzteres in Frage stellt ein Rechtspopulist und kaltherziger Neoliberaler.

Politik, die für die Traurigen und ein Stück weit Betroffenen dieser Welt gemacht wird erkennt man daran, dass realistische Ziele und plausible Maßnahmen durch Utopien und Placebo-Aktionen ersetzt werden. Diesen Mechanismen verdanken wir auch den neuesten Coup der Eurokraten, die demnächst die Jugendarbeitslosigkeit verbieten werden. Geht ja nicht an, dass die jungen Leute in Italien und Spanien keine Jobs haben. Gut, dass man da endlich was getan hat. Mag sein, dass diese neue Regelung nichts weiter tun wird, als auf ihrem Weg durch die nationalen Verwaltungen Steuergelder zu vernichten, aber wenigstens kann keiner sagen, die EU hätte sich nicht betroffen gezeigt.