Nicht das Peer Steinbrück sein Honorar für den “Atrium-Talk” nicht gespendet hat, ist der Skandal. Scheinbar handelt es sich bei ihm um einen der wenigen Sozis, die zumindestens mit dem eigenen Geld umzugehen wissen. Sondern dass er da hin gegangen ist, handelt es sich doch um eine sinnlose Eigen-PR-Veranstaltung eines städtischen Eigenbetriebs ohne Gewinnerzielungsabsicht. Aber das hat er mit Joachim Gauck, Senta Berger oder Joschka Fischer gemein. Den Auftakt machte übrigens Richard von Weizsäcker, der mit dem Promi-Doktor Grönemeyer talkte. Die Veranstaltung wurde musikalisch unterlegt von der Jazz-Legende Klaus Doldinger, der einst die Tatort-Melodie erfand. Das war bestimmt auch nicht billig.

Die Stadtwerke Bochum verstehen sich als lokal verankertes Unternehmen nicht nur als Energieversorger, sondern auch als gesellschaftlicher Akteur in Bochum. Sie setzen sich für den Standort Bochum ein und engagieren sich im kulturellen und sozialen Bereich der Stadt. Außerdem investieren die Stadtwerke in Jugend und Bildung sowie in die Sportszene vor Ort. „Neben den zahlreichen interessanten Veranstaltungen der Stadtwerke waren wir lange auf der Suche nach einem Leuchtturmprojekt, das unser Engagement auch in der Region bekannt macht und Bochums gesellschaftliche Wertschätzung nach außen trägt“, erklärt Geschäftsführer Bernd Wilmert.

So kündigten die Stadtwerke Bochum die Veranstaltungsreihe “Atriumtalk” an, bei der sich die Geschäftsführung des Tochterbetriebs der bankrotten Ruhrmetropole für teuer Geld im Glanze der Prominenz sonnte. Das sei all denen Geschaftlhubern in´s Gebetbuch geschrieben, die heute der “Rekommunalisierung” das Wort reden. Denn die Stadtwerke Bochum sind ein Zweckbetrieb ohne Gewinnerzielungsabsicht. Ihre Existenz dient der von den Nazis erfundenen “Daseinsvorsorge”, viele ihrer Leistungen erbringen sie als Monopolist. Sie haben keine Kosten für die Kapitalbeschaffung und können dank der kommunalen Trägerschaft nicht pleite gehen. Das sind massive Wettbewerbsvorteile gegenüber jedem anderem Wettbewerber.

Der Wert dieses Unternehmens wird deutlich, wenn man weiß, dass die Stadt Düsseldorf durch den Verkauf der Hälfte ihrer Stadtwerke alle Schulden bezahlen konnte. Und so wird auch klar, dass die deutschen Kommunen gar nicht so klamm sind, wie sie tun. Sie machen nur nichts aus ihrem Vermögen, das aus Wohnungsbaugesellschaften, Zweckbetrieben aller Art und den Sparkassen besteht. Kommunale Unternehmen werden als Manövriermasse verstanden, die man für die Besetzung von Versorgungsposten, Aufsichtsratsmandate und als Schattenhaushalte nutzen, um die Taubenzüchter und Laubenpieper vorbei am gewählten Stadtrat wohlgesonnen zu stimmen.

Zwischen 50.000 und 100.000 Euro an Honoraren dürften die Honoratioren der Stadtwerke pro Veranstaltung abgedrückt haben, wo auch immer die hinfließen.

Steinbrück hätte als ehemaliger Ministerpräsident von NRW wissen müssen, dass so ein Event in  Bochum vollständig unangemessen ist. Und  die Höhe seines Honorars gegen die guten Sitten verstößt. Das ist ihm vorzuhalten.