Wie versprochen hier die ganze Wahrheit von Michael Wohlgemuth, Otmar Issing und Last but not least Karen Horn. Sehenswert

Es gibt noch einen neuen liberalen Think Tank in Berlin. Leider steht deren öffentliche Wirkung im gegenteiligen Verhältnis zu ihrer Anzahl. Gelungen war immerhin die Auftaktveranstaltung, bei der der EZB ehemalige Chefsvolkswirt Otmar Issing nicht nur die Geschichte des EURO-Scheiterns nacherzählte. Issing erinnerte an Walter Eucken und das Konzept der Ordnungspolitik, dem er sich verbunden fühlte. Unter diesem Gesichtspunkt beschrieb er auch die “Energiewende” als Komödie. Bei allem Sarkasmus hat er hier geirrt: Wer auf seine Strompreisrechnung blickt, dürfte wohl eher von einer Tragödie sprechen. Insbesondere weil auch eine Familie unlängst mit dem Leben bezahlte, dass sie sich diese eben nicht mehr leisten kann.

Vater und Kinder erstickten an den Abgasen des Notstromaggregats, das sie statt dessen betrieben.

Zurück zu Open Europe und Otmar Issing.  Der wies gleich zu Anfang auf die Krise der Nationalökonomie hin, die aus der Mißachtung der Ordnungspolitik resultiert. Und auf deren Vater Walter Eucken und sein Standardwerk: Die Grundlagen der Nationalökonomie. Issing hatte sich das Buch seinerzeit für 18,00 DM gekauft und es ist ihm nach eigenem Bekenntnis seither ein innerer Kompass.

Das freut den Träger dieses Pseudonyms natürlich ungemein. 2007 startete ich zögerlich das Blog “Euckens Erbe”, das eben an diesen Mann, seine Weitsicht und sein Konzept ins Netz. Beim Antritt bei den FdoGs wurde der Blogname zum anmaßenden Pseudonym.

Walter Eucken widerlegt vieles. Seine Frau war jüdischer Herkunft und das Paar verstand es selbstverständlich, gemeinsam den Nationalsozialismus zu überleben. Eucken blieb seiner Sache treu und überwinterte an Heideggers-Nazi-Uni in Freiburg, ohne sich zu verbiegen.

Als die Nazis die Planwirtschaft installierten, veröffentlichte er 1938 die “Grundlagen der Nationalökonomie”, die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen und deren Wechselwirkungen analysierte:

Eine Marktwirtschaft bedingt einen freiheitlichen Rechtsstaat, die den Einzelnen, sein Eigentum und seine Freiheit durch schlichte negative Regeln vor dem Stärkeren und dem Staat schützt. Eine Zentralverwaltungswirtschaft braucht eine Diktatur, um mit Willkür den Plan auch gegen die Interessen des Bürgers und gegen die freie Verfügung über das Eigentum durchzusetzen.

Das nennt man die “Interdependenz der Ordnungen”.

Eucken geriet in Vergessenheit, weil er schon 1950 starb. Dass seine Konzeption dem zugrunde liegt, was Ludwig Erhard im Handstreich einführte und mit “sozialer Marktwirtschaft” nur dann die richtige Bezeichnung trägt, wenn man Erhard folgt: “Marktwirtschaft ist immer sozial”.

OpenEurope ist ein weiteres ehrgeiziges Projekt und eine Stimme, die Marktwirtschaft und Ordnungspolitik auf den Lippen trägt. Der Leiter Michael Wohlgemuth wies in seiner Rede kurz auf die Stoßrichtung hin: Eben für ein Europa der Ordnung und nicht der Organisation einzutreten, ein Europa der Vielfalt und nicht der Einfalt, ein Europa der Subsidarität und nicht des Zentralismus. Ein Europa der offenen Grenzen und der Niederlassungsfreiheit und nicht der Diskriminierung.

Die Europäische Union befindet sich nicht in einer Sackgasse, sondern sie steht vor dem Abgrund. Wenn es so weiter geht, sind wir demnächst einen kleinen Schritt weiter.