Schon heute lässt sich im Parlament die Dominanz des Mittelmasses erkennen. Oder wie Otto Graf Lambsdorff einst sagte: “das Parlament ist mal voller und mal leerer. Aber es ist immer voller Lehrer”. Und deren Hoffnung auf einen ordentlichen Zuverdienst ist begrenzt. Berater- und Redner-Honorare winken nur denjenigen, die neben einer Aura und einem ordentlichen a.D. hinter dem Titel auch noch über einen gewissen Unterhaltungswert haben. Zuviel Transparenz sperrt Rechtsanwälte, Unternehmer und Freiberufler aus, weil schon deren Kunden wenig Interesse daran haben, öffentlich bekanntzugeben, wieviel sie für welche Leistung zahlen. Von den Freiberuflern ganz zu schweigen. 

In unserer von Neidkultur geprägten Gesellschaft werden die Erfolgreichen mit Argwohn beobachtet: Wer viel verdient, wird nicht als Leistungsträger betrachtet sondern muss sein hohes Einkommen auf dem Rücken der Armen ergaunert haben. Erfolg steht in Deutschlands veröffentlichter Meinung mittlerweile unter Generalverdacht.

Wer am Pranger steht, fühlt sich selten berufen, seine Arbeitskraft im Rahmen eines Mandates im Parlament zur Verfügung zu stellen, zumal er sein Einkommen im Gegenzug zum gemeinen Staatsdiener meist nicht unbedingt verbessert. Auch Peer Steinbrück bezahlt für sein Schaulaufen als Kanzlerkandidat teuer.

Wer als Lobbyist im Parlament sitzt, ist dort nicht falsch am Platz. Insbesondere Gewerkschafter sehen die Vereinbarkeit von Amt und Mandat als selbstverständlich an. Der jahrzehntelange IG-Chemie Chef Hermann Rappe sass noch länger im Deutschen Bundestag, den IG Bau Steine Erden Präsident Klaus Wiesehügel spülte es nur wegen eines schlechten SPD-Wahlergebnisses wieder aus dem Bundestag und der IG-Metall Funktionär Walter Riester war für Gerhard Schröder sogar ministrabel. Aber auch der hauptamtliche Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Arbeitgeber Göhner sass oder sitzt jahrelang im Deutschen Bundestag. Nur Muttis Liebling Norbert Röttgen, der vor ein paar Jahren mal BDI-Geschäftsführer werden wollte, versagte die Öffentlichkeit die Zustimmung zum Beibehalt des Parlamentssitzes.

Wie so oft haben die Briten in ihrem Parlament eine einfache Lösung gefunden, wie Parlamentarierer nicht nur im Interesse der Öffentlichkeit agieren sondern durch Herkunft oder Alimentierung nicht ganz unvoreingenommen sein könnten. Vor ihrer Rede im House of Commons haben die Members of Parliament vier schlichte Worte zu sagen: “I have an interest”. Auf alles andere kann sich der Zuhörer seinen Reim machen.

Wenn wir unsere Parlamente nicht den mediokren Staatsdienern, Lehrern und Berufsfunktionären überlassen wollen, die auf der Hinterbank nicht die Kraft aufbringen, sich gegen die Listenplatz vergebende  Partei- und Fraktionsführung durchzusetzen, dann sollten wir darauf verzichten,  von Parlamentariern zu verlangen, ihre “Nebeneinkünfte” auszuweisen. “I have an Interest” dürfte reichen.