Nun ist sie endgültig vorbei, die alte Bundesrepublik. Ob in Deekelsen, Küblach oder am Ammersee.  Das ZDF stellt die Serien “Der Landarzt” und “Forsthaus Falkenau” ein.  Der Heimatfilm der Fünfziger hat ein Ende gefunden. Willkommen im SOKO-Land. Nie wieder Stammtisch im Krug mit dem Apotheker, dem Pfarrer oder den Waldarbeitern. Auch wenn die nicht ganz durchgestarteten Söhne eines Schlagersängers und eines Weltenbummlers nicht ganz das Format eines Förster Rombach oder dem praktischen Arzt Karsten Mathiesen hatte. Dabei verprellt der öffentlich-rechtliche Sender sein treuestes Publikum: Die Senioren sind nun auch ohne Heimat. 

Als man in der Lindenstraße schon an Aids gestorben wurde, verzweifelte der Pastor noch an dem unehelichen Kind, das seine Tochter mit dem Besitzer des örtlichen Landgasthofs bekam, weswegen er sie vorübergehend verstieß. Hier wurde die spießige Kleingartenidylle gepflegt, die Probleme taugten für eine Episode waren aber in einer halben Stunde stets lösbar. Und die Liste der Darsteller liest sich wie das Who is Who der Fünfziger-Jahre Lümmel-Filme, die hier dem Ruhestand entgegenspielten. Oder dem Tod wie Antje Weisgerber oder Heinz Reincke.

Natürlich gab es auch andere Formate, die diese Wohlstandsenge beschrieben, die die Political Correctness erfunden hatten, ohne sie zu kennen. Die Wicherts von nebenan: Da brachte es der Vater vom Schreinermeister zum Vorstandsmitglied der “Möbel Union” in Bielefeld und sehnte sich doch so sehr nach dem Kneipenchor in der heimischen Kneipe und dem Getränkevertrieb im Keller, der von seiner “Hannelore” betrieben wurde.

Stammtisch-Deutschland kommt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht mehr vor.  Die Gender Mainstreamer kehren alles über einen Kamm und zeigen alleinerziehende Kommissarinnen  und im Vorabendprogramm erscheinen Mord und Totschlag unter so aufreizenden Titeln wie heiter und tödlich. Die Herz-Schmerz-Idylle ist auf den Nachmittag verbannt und tummelt sich jetzt in Telenovelas, die Mutti nun bei Piccolo und Sahnetorte genießen kann.

Nun schließt Hardy Krüger sein Forsthaus und Wayne Carpendale macht den letzten Hausbesuch. Damit wird ein Sittengemälde des alten Deutschlands fertig, das es wohl abseits der Redaktionen immer noch gibt. Auf dem Dorf, auf dem Land, in der Provinz, wo man sich kennt, übereinander lästert und sich gegenseitig hilft und mit seinem begrenzten Horizont, der selten über die Kreisstadt hinaus reicht, ganz gut zurecht kommt. Diese Klientel verschwindet nicht, nur weil es keine bürgerliche Partei mehr gibt, die sie wählen könnte und kein Fernsehprogramm, das ihre Realität abbildet.