Mittlerweile hat der eine oder andere Qualitätsjournalist begriffen, wie sehr der Eurorettungswahn Wohlstand und Demokratie bedroht. Sogar der notorische Heribert Prantl wünscht sich ein Machtwort des Bundesverfassungsgerichts zum Ermächtungs- Europäischen Stabilitätsmechanismus. Man reibt sich verwundert die Augen und denkt mit leisem Schaudern an die Pressekampagen gegen die „rechtspopulistischen“ Eurokritiker zurück, die noch vor Jahresfrist die veröffentlichte Meinung dominierten.  

Dass diese billige Propaganda heute nicht mehr zieht demonstriert ein kolossaler Kommentarshitstorm auf SPON, wo man jüngst in der üblichen SPIEGEL-Manier über den „schwarzen Querulanten“ und „Rechtsaußen“ Peter Gauweiler herzog.  Dessen euroskeptischer „Populismus“  komme „in den Bierzelten“ gut an, löse aber „bundesweit“ Befremden aus.  Da ist es wieder, das seit FJS’schen Zeiten immer gern genommene SPIEGEL- Leitmotiv des CSU-Dimpfls, über dessen primitive Bierzeltiaden die aufgeklärte Restrepublik den Kopf schüttelt. Normalerweise geht der rot-grünen Leserschaft so was runter wie dem Bayern das Freibier, doch in Zeiten der schleichenden Entmachtung unserer Verfassungsorgane durch die EU- Bürokratie mag darüber niemand mehr so recht lachen.

Nicht Gauweiler ist ein „Mann der Vergangenheit“, sondern einige unserer Medienschaffenden, die immer noch nicht begriffen haben, dass Merkel und Konsorten gerade dabei sind das Haushaltsrecht des Bundestages an eine supranationale Behörde zu verschenken, auf die der Wähler fürderhin keinerlei Einfluss nehmen kann. Die Kommentatoren auf SPON, von denen sich viele ausdrücklich im linken Lager verorten,  sind Gauweiler aufrichtig dankbar dafür, dass er seit Jahren der EU-kratisierung unserer politischen Institutionen entgegentritt.  Gerade sein „Querulantentum“ ringt vielen Respekt ab, trotz ansonsten divergierender Ansichten. Zu Recht, denn Gauweiler, den man als Liberaler eigentlich auch nicht mögen muss, und die anderen prominenten Eurokritiker taten letztlich genau das, was die in Politik und Presse so zahlreich vertretenen Linken als ihre Königsdisziplin begreifen: Sie hinterfragten politische Propaganda, sprachen unangenehme Wahrheiten aus und betätigten sich trotz heftigen politischen und publizistischen Gegenwinds als nimmermüde Warner.

Nicht wenige Bürger haben offenbar den Eindruck, dass die sogenannten Volksvertreter in Berlin zu farb- und profillosen Abnickern verkommen sind, die sich nicht ihrem Gewissen, sondern der schwarz-gelb-rot-grünen Konsensdemokratur verpflichtet fühlen. Austauschbare  Parteisoldaten, auf dem Marsch in ein Europa der unkontrollierbaren Finanzinstitutionen. Da freut sich der zunehmend fassungslose Wähler über jeden Charakterkopf, selbst wenn es sich dabei um ein bayrisches Ur-Viech handelt, und dass, obwohl diese Exemplare nördlich der Donau eigentlich als unberechenbare Schädlinge gelten.

Mir geht es da – und das ist seit sehr langer Zeit das erste Mal – genauso wie den SPON-Kommentatoren.