Wirklich wichtig jedoch ist etwas anderes: Finden wir heute bessere Antworten als vor 40 Jahren? Dass wir nun gemeinsam mit Gästen aus Israel der Opfer vom 5. September gedenken, ist immerhin ein richtiges Signal. Die Toten und ihre Angehörigen verdienen Mitgefühl und Solidarität. Ein Persilschein für Israels Politik ist damit nicht verbunden. Aber Terroristen sind Terroristen. Berechtigte Anliegen der Palästinenser ändern daran nichts.

Hätte der Kommentator der Badischen Zeitung so auf ein Attentat der baskischen ETA auf die spanische oder der irischen IRA auf die Britische Mannschaft reflektiert? Wohl kaum.

Dieser letzte Schwenk belegt seine Hypothese eindrucksvoll:

Die entsetzlichen Pannen und Versäumnisse rund um das Münchner Olympia-Attentat lassen ahnen, wie hoffnungslos verkrampft die Verantwortlichen damals mit dieser Frage umgegangen sind.

In diesem Fall meint er, dass die Sicherheitsbehörden in der Hoffnung, die Olympiade als leichte und heitere Veranstaltung als Gegenentwurf zu München 1972 zu positionieren, Hinweise auf mögliche arabische Terroranschläge auf die Israelis geflissentlich ignorierten. Soviel deutsche Selbstkritik legitimiert doch schon fast den moralischen Zeigefinger gegenüber den Israelis und die Parteinahme gegenüber den vermeintlich unterpriviligierten Palästinensern.

Dabei hat der gebürtige Kairorer Jassir Arafat mit seiner PLO das Markenzeichen “Palästinenser” strategisch geplant mit Bomben, Granaten, Gewehren und Pistolen unter Inkaufnahme zahlreicher unschuldiger Toter und Verletzter ins Bewußtsein der Weltöffentlichkeit gebrannt. München 1972 war mehr als nur ein Meilenstein auf diesem Weg.

Natürlich lässt ein solcher Kommentar auch keinen Platz für die Erwähnung der “berechtigten Anliegen” der arabischen Bevölkerung in Westbank und Gaza.  So macht man die Opfer der Palästinenser und der dilettierenden deutschen Sicherheitsbehörden zu den wahren Tätern. Nicht ungeschickt.

Wie es anders geht, zeigt übrigens Steffen Haffner in der FAZ. Er beschränkt sich auf die Schilderung der Ereignisse und vermeidet irgendwelche unpassenden Rückschlüsse auf die zweifelhaften Motive der Attentäter oder die geopolitische Lage.