Als ich gegen 13.00 Uhr die Deutschlandfunk-Nachrichten verfolgte, traute ich meinen Ohren nicht: Deutschland hat im ersten Quartal einen Rekord-Handelsbilanz-Überschuss erzielt, den höchsten der ganzen Welt. Das ruft die EU-Kommission auf den Plan. Sie wird das Land wegen übermäßigem Erfolg ermahnen. Weitere Konsequenzen werden folgen: Autoquote, Investitionsstop, Weiterentwicklunngsverbot. Irgendwie kriegen sie uns schon klein. 

Um den übermäßigen Erfolg unserer Automobile zu beschneiden, könnte die EU beschließen, dass in allen anderen EU-Ländern nicht mehr als 10% der Neuzulassungen aus deutscher Automobil-Konstruktion stammt. Ob sich damit der Absatz von Fiat oder Renault steigern lässt, kann man schwer sagen. Wer das für absurd hält, dem sei gesagt, dass es solche Mengenbeschränkungen in Frankreich und Italien seit Jahrzehnten gab, allerdings gegen japanische Automobile. Gegen deutsche währte man sich, indem man die Kfz-Steuern so ausgestaltete, das etwa BMW oder Mercedes mit Strafzöllen belegt waren. Das war bis in die Neunziger Jahre der Fall.

Vermutlich werden die deutschen Autokonzerne diese Hürde ganz einfach umgehen. Was man in Europa nicht mehr verkaufen darf, wird eben nach Indien, USA oder China geschickt. Und außerdem hat jeder Konzern ja auch Montagewerke und Fabriken außerhalb Deutschlands. Und wer keine hat, schließt eben Kooperationsabkommen oder kauft ein Unternehmen der maroden französischen oder italienischen Industrie.

Deshalb wird den Deutschen von der EU-Kommission verboten werden müssen, in die Fabriken zu investieren, damit die Produktivität nicht weiter steigt. Und ein Entwicklungsverbot ist dringend erforderlich, damit die technologische Überlegenheit endlich aufhört.

Im Ernst: der deutsche Export-Überschuss ist ein geringer Hoffnungsschimmer, dass wir nicht in der Flut der Rettungsschirme untergehen, sondern uns eine kleine Arche bauen können, mit der man davon schwimmen können.

Schließlich ist das Wachstum sicherlich nicht der schrumpfenden EURO-Raum-Nachfrage zu verdanken sondern den boomenden Märkten Südostasiens. Das ist unser Geschäft. Und das bringt auch die negative Handelsbilanz Resteuropas der Ausgeglichenheit ein wenig näher. So einfach ist das.