Was genau ist eigentlich ein “Scharfmacher”? Spiegel Online scheint das ganz genau zu wissen, seit einigen Tagen werden dort Artikel über diese “Scharfmacher” veröffentlicht, die sich laut SPON durch eine einzige Sache auszeichnen: Sie haben ein Problem mit den “Eurorettern”, einer weiteren Spezies, über die Spiegel Online regelmäßig schreibt. Jetzt hat die Online-Sparte der “Konfettikanone der Demokratie” einen Steckbrief mit den “zehn gefährlichsten Politikern Europas” veröffentlicht – alles “Scharfmacher”.

Wie hat SPON diese Liste eigentlich aufgestellt? Nach welchen Kriterien hat die Redaktion diese Personen ausgewählt? Hier ist die Liste und ein paar kurze Hinweise auf die Tatsache, dass diese Leute Europa nicht im geringsten gefährden.

1. Markus Söder. Söder soll gefährlich sein, weil er ein “schriller Dampfplauderer” ist und keine weiteren Hilfen für Griechenland möchte. Das macht ihn zum “Europa-Schreck”. Das war es. Nun ist Söder Finanzminister und muss die Verwendung von Steuergeldern rechtfertigen, womit er lediglich seinen Job macht.

2. Alexis Tsipras. Der Chef der griechischen Version der Linkspartei möchte die Vorgaben der “Troika” einfach ignorieren. Der Mann ist ein Kommunist – was soll er auch sonst tun? Gefährlich wäre es nur, wenn man ihm auf seinem Weg folgt und weiterhin zahlt, was die EU aber ohnehin tut.

3. Silvio Berlusconi. Der bekannte Frauenheld will wieder Premierminister werden und drohte mit einer Rückkehr zur Lira. Die Gefahr besteht darin, dass er möglicherweise wieder Regierungschef wird? Mehr nicht? Pleite wird Italien in diesem Fall noch immer sein.

4. Marine Le Pen. Nun gut, sie ist eben Marine Le Pen, eine Frau, die nicht einmal einen Platz im Parlament erringen konnte, wo ihre Partei von ganzen zwei Abgeordneten vertreten wird. Sehr gefährlich…

5. Timo Soini. Der Chef der “Wahren Finnen”, der zweitstärksten Partei im finnischen Parlament soll darum gefährlich sein, weil er “direkte Hilfen für Griechenland an Bedingungen [knüpft]” und “die Griechen ein Pfand hinterlegen mussten”. Die Gefahr scheint auch in diesem Fall darin zu bestehen, dass zu viele finnische Steuerzahler Soinis Meinung sein könnten.

6. Alexander Dobrindt. Dobrindt wagt es tatsächlich, “mit markigen Sprüchen auf sich aufmerksam zu machen”, ein Vorgang, der Generalsekretären sonst völlig fremd ist. Wie gefährlich kann das schon sein?

7. Nigel Farage. Der Vorsitzende der UK Independence Party hat ganz einfach keine Lust auf die EU und drückt diese Meinung durch Reden im EU-Parlament aus, aber selbst den Eurokraten dürfte er in absehbarer  nicht gefährlich werden – UKIP hat keinen einzigen Sitz im britischen Unterhaus.

8. Heinz-Christian Strache. Der FPÖ-Obmann meint, die Österreicher seien die “Juden Europas”, weil sie an die Griechen zahlen müssen – ein geschmackloser Spruch, aber die fast schon obligatorischen Koalitionen zwischen ÖVP und SPÖ dürften dafür sorgen, dass es in absehbarer Zeit keinen FPÖ-Kanzler gibt. Die Gefahr, die von Strache ausgeht tendiert dadurch gegen null.

9. Geert Wilders. Wilders gehört einfach in die Liste, weil er eben Geert Wilders ist. Allerdings dürfte die Gefahr, die Wilders für die EU bedeutet, ein Witz sein, wenn man daran denkt, dass er selber in ständiger Lebensgefahr schwebt.

10. Viktor Orbán. Der ungarische Ministerpräsident ist tatsächlich ein fragwürdiger Zeitgenosse, aber er ist eben nur der Ministerpräsident von Ungarn, einem Land, das selber in ständigen Finanzsorgen steckt. Welche konkrete Gefahr er darstellt? Er gehorchte den Anweisungen der EU und verkaufte diesen Vorgang anschließend als Erfolg. Unfassbar.

Spiegel Online hatte schon bessere Ideen, das Sommerloch zu stopfen. Aber dieser “Artikel” könnte auch direkt aus einem PR-Büro der EU-Kommission stammen. SPON will seine Leser einnorden und präsentiert eine Liste, auf der die verantwortlichen Redakteure Gathmann, Grimm und Weiland einfach mal notierten, welche Politiker ihnen nicht gefallen. Eine Liste der “Gafährlichsten Politiker”, auf der die Begründung für die Gefahr oder auch nur eine genaue Definition worin diese Gefahr genau besteht, ausgelassen wurde. Mit Journalismus hat das wenig zu tun – diese Liste ist reine Propaganda. Auch besteht für “Europa” keine Gefahr. Die EU jedoch, die mit dem Wort “Europa” gemeint ist, braucht keine Ex-Ministerpräsidenten oder weitestgehend einflusslose (Ex-)Politiker, um in Gefahr zu geraten.

Es sind die Funktionäre, die diese Aufgabe übernehmen. Barroso, van Rompuy, Ashcroft und Draghi machen das schon ganz gut und werden dabei tatkräftig von  brüsseltreuen Regierungen der Nationalstaaten unterstützt. Laut Spiegel Online besteht Gefahr für “das Projekt Europa”, das “gemeinsame Haus Europa”. Was das ist oder sein soll, wissen die Experten der Augstein-Presse selber nicht.

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