Ich könnte mit meinem Ärger über die deutschen Qualitätsjournalisten und die pseudo-aufgeklärte bürgerliche „Elite“, die den schlecht recherchierten und vor Borniertheit triefenden Unfug, der uns täglich aus der Presse entgegen quillt, auch noch zu goutieren pflegt, ganze Therapiesitzungen füllen. Doch da meine Krankenkasse chronisches Entsetzen über die Zustände in den deutschen Medien nicht als behandlungsbedürftig anerkennt, muss dieses Blog herhalten. 

Ganz vorne mit dabei ist natürlich wie immer die Nahostberichterstattung, diesmal in der ZEIT. Es geht zum wiederholten Mal um die „Kriegsrhetorik“ des „martialischen“ Benjamin Netanjahu und darum, wie dieser perfide Agent Alljudas die USA zum Werkzeug seiner zerstörerischen Politik macht. Der erste Satz des Artikels macht gleich klar, wer der Bösewicht ist.

Es war zuletzt wieder ruhiger geworden um Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seine Drohungen, gegen den Iran im Zweifel auch einen militärischen Alleingang zu gehen.

Nicht ganz so ruhig war unterdessen Herr Ahmadinedjad, mit dem Israel ja einen „Atomstreit“ hat, wie die Zeit die fortgesetzten Vernichtungsdrohungen dieses Klerikalfaschisten gegen die einzige Demokratie im Nahen Osten zu bezeichnen beliebt. Der Friedensrhetoriker von Teheran hat  in seiner aktuellen Ramadan-Rede ganz versöhnlich zur „Vernichtung des zionistischen Regimes“ aufgerufen. Aber vermutlich ist das ohnehin nur ein Übersetzungsfehler.

Davon steht im Artikel natürlich nichts, da geht es immer nur um die „Drohungen“ von Netanjahu und Barak, denen die ZEIT auch noch jeglichen militärischen Sachverstand abspricht, was angesichts der Biographien der beiden für den überragenden Sachverstand des verantwortlichen Redakteurs spricht. Der ist von der ganzen Situation ohnehin schwer verwirrt:

Schwer erklärbar bleibt aber weiterhin, warum Netanjahu und Verteidigungsminister Barak mit ihrer Drohung derart irrational handeln.

Ob das alles vielleicht etwas mit der Aggression des iranischen Regimes gegen Israel zu tun haben könnte, man denke da an die großzügige Hilfe für die Hisbollah und die Hamas, und die maßgebliche Destabilisierung der ganzen Region durch iranisch finanzierten Terror, was die Vorstellung, dass dieses Regime bald über Atomwaffen verfügen könnte, ja dann doch ein bisschen unheimlich macht? Da braucht es wohl einen  kompetenteren Mann als den ZEIT-Redakteur Steffen Richter, um diese Fragen zu klären. Übrigens: Wer sich die Kommentare zum Beitrag ansehen will, der sollte lieber noch nichts gegessen haben.

Auf SPON wollte man einfach nur witzig sein und bringt einen launigen Artikel über das Deutschlandbild der Amerikaner, das angeblich daraus bestünde uns permanent die einstige Begeisterung einiger Landsfrauen für David Hasselhoff vorzuhalten. Mich hat zwar noch nie ein Amerikaner nach dem singenden Brusthaartoupé gefragt, dafür oft nach Rammstein und „Berlin-Techno“, aber warum nicht, so ein augenzwinkernder Scherzbeitrag darf natürlich auch mal sein. Offenbar haben die Spiegel-Leute da die Rechnung ohne die eigene, stramm antiamerikanische Leserschaft gemacht. Ich begnüge mich damit, den dritten Kommentar unter dem Artikel zu zitieren:

Lustig geht es unterdessen auch bei der WELT zu: „Kopfschuß – Milizen verstehen keinen Spaß“ kalauert die Überschrift. Abdi Jeylani Marshale, ein Satiriker aus Somalia, wurde ermordet, weil er sich trotz Todesdrohungen mit der berüchtigten Al-Schabab-Miliz angelegt hat. Vor einigen Stunden hieß es im Aufmacher noch jovial, Marshale habe es „erwischt“, wenigstens ist dieser Ausrutscher mittlerweile getilgt worden.

Aus dem Artikel:

Am Telefon hat der somalische Radio-Journalist Ahmed Farah, der mit Marshale befreundet war, mit den Tränen zu kämpfen: “Wenn die Leute über al-Schabab lachen, verliert die Miliz an Schrecken und damit an Macht”, sagt er, “das hat Abdi das Leben gekostet.” Er ist sich sicher, dass Marshale auf Anweisung der al-Schabab-Kriegsfürsten ums Leben gekommen sei: “Im vergangenen Monat wurde nach dem gleichen Muster der Chefredakteur einer kritischen Zeitung ermordet.”

Mindestens ein Journalist pro Monat ist in diesem Jahr in Somalia ermordet worden, keiner der Täter wurde gefasst. Die Organisation “Reporter Ohne Grenzen” zählte Mogadischu zu den zehn gefährlichsten Orten des Jahres 2011 für Journalisten.

Bruhahaha!

Nun ist die WELT in Deutschland sicher die erste Anlaufstelle für seröse Islamkritik, die dann allerdings auch mal etwas derber ausfallen kann, siehe Sarrazin und gelegentlich auch Broder. Sei‘s drum, das muss eine freie Gesellschaft aushalten. Für die konsequent durchgehaltene Rolle des konservativen Advocatus Diaboli kann man dem Springer-Verlag durchaus dankbar sein, und er steht deswegen oft genug im Kreuzfeuer bessermenschlicher Kulturrelativier. Gerade deswegen hat es aber ein sehr bitteres Gschmäckle, wenn man sich derart flapsig zum Tod eines Menschen äußert, der Kunst- und Meinungsfreiheit gegen islamistischen Terror verteidigte  – in einem der gefährlichsten Länder der Welt und unter Einsatz seines Lebens, und nicht in einem schicken Talkshowstudio, wo höchstens eine Tirade von Hans-Christian Ströbele droht.