Können Sie sich noch an die Opel-Retter erinnern. In einer konzertierten Aktion rettete die Große Koalition die Autofirma vor dem bedrohlichen Strudel der Insolvenz des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors. Oh Wunder, GM ist von den Pensionslasten befreit wieder profitabel aber der vermeintlich so solide Rüsselsheimer Konzern schreibt immer noch Verluste. Da platzt der Mutter der Kragen. Dass Opel Saab in die Insolvenz folgt und am Ende vielleicht noch als gerupfter Technologieträger an die Chinesen verkauft wird, ist mehr als wahrscheinlich. Denn anders als Saab oder Volvo hat die Marke längst kein Potential mehr. 

In der Marktwirtschaft scheitern diejenigen am Wettbewerb, die weniger gut gemanagt sind als andere. Wenn man Marktentwicklungen verschläft und Kundenerwartungen nicht erfüllt, geht man unter. Und das geschah mit Opel. Weithin sichtbar für jedermann und das seit Jahrzehnten.

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Marke Nummer zwei nach Mercedes-Benz. Vom Handelsvertreter bis zum Doktor, das Establishment sah sich gerne hinter dem Volant des Opel Kapitän. Doch schon damals begann die Marke langsam zu erodieren. Und der Opel Rekord von der Spezie der mittlerweile untergegangenen Mittelklasselimousine parkte neben einem Ford Granada des Nachbarns vor dem Reihenhaus des Facharbeiters. Da hatte zumindest schon BMW den Rüsselsheimern den Rang abgelaufen und als fortschrittliche Alternative zum Maß der automobilen Gesellschaft, dem guten Stern auf allen Straßen, gemausert.

In der Gunst des Bürgers sank die automobile Mittelklasse und das “Premium-Segment” entstand. Statt des großen Admirals fuhr der ordentliche Handelsvertreter mittlerweile Audi, einer erst in den Sechzigern wiederbelebten Marke, die das angestaubte Zweitakt-Image von DKW aufpolieren wollte. Dem Porsche Enkel Ferdinand Piech, damals Chef der Audi-Entwicklung gelang das vorzüglich, weil er dem Audi-Slogan “Fortschritt durch Technik” mit Allradantrieb und Fünfzylindern Nachdruck verlieh.

Die Opel-Cash-Cow Kadett geriet derweil auch in der noch nicht geborenen Kompakt-Klasse unter Druck. Seit 1974 hatte VW mit dem Käfer-Nachfolger Golf ein modernes Auto mit Frontmotor und -Antrieb im Programm, das neben der technischen Überlegenheit gegenüber dem Heckantrieb des Opels den Vorteil des sozial neutralen Images der Marke VW mitbrachte. Golf fahren konnte jeder.

Erst 1979 präsentierte man einen Kompaktwagen mit Vorderradantrieb und zeitgemässen Verbrauch. Damals schlug man sich auch im Motorsport noch redlich und der heute legendäre Walter Röhrl war auf der Rallye-Piste siegreich. Bis auch hier Audi mit dem Allradantrieb auf den Plan trat und mit seinen Quattro-Modellen alles in Grund und Boden fuhr. Dann geschah lange nichts und ein erneutes Engagement in der DTM und ITC blieb wenig erfolgreich. Opel fuhr hinter Audi und Mercedes hinterher. Immer.

Ein Spanier versetzte dem Markenkern Ende der Achtziger den Dolchstoß. Denn bis dahin hatte Opel zwar als langweilig gegolten aber eben auch als robust.

José Ignacio López de Arriortúa  wurde als Chefeinkäufer bekannt: Der Lopéz Effekt verhieß Produktivitätsgewinne ohne Investition: Nämlich auf dem Rücken der Lieferanten, deren Preise Lopez gnadenlos drückte. Weshalb die dann einfach schlechtere Qualität lieferten. Die ersten Opel Astra rosteten ihren Fahrer bereits während der ersten Panne unter dem Hintern weg. Und damit war die Markenprägung “Zuverlässig aber langweilig” auch noch weg.

Hinzu kam das Verschwinden der Mittelklasse. Heute gibt es nur zwei Käufertypen. Die preisbewusssten kauften bei der koreanischen Opel-Schwester, die irreführend Chevrolet heißt oder bei Skoda und Dacia. Und die Markenfetischisten bei den “Premium-Herstellern”. Von denen gibt es jetzt auch Kompaktmodelle.

Zuguterletzt haben die Rüsselsheimer das gleiche Problem wie ihre neuen Partner Peugeot/Citroen: Auf den wachsenden Märkten in Südostasien sind sie nicht vertreten. Sondern nur auf den schrumpfenden Märkten Europas, wo sie wie gesagt zwischen zwei Segmenten aufgerieben werden. Billiger geht´s nicht und teuer nimmt ihnen keiner ab.

Nun kommen die Landsväter und-mütter auf den Plan und werden Opel wieder retten. Noch besser wäre es, wenn die Chinesen den Laden übernehmen und die gar nicht so schlechten Autos in Zukunft eben dort herstellen. Dann bliebe wenigstens die Entwicklungsabteilung in Rüsselsheim.