Schon lustig, diese  die Geschichte mit unseren Meldedaten, die demnächst laut einem Gesetzesentwurf, der innerhalb von 57 Sekunden durch den Bundestag gewinkt wurde, vom Staat an Adresshändler verkauft werden dürfen, sofern wir dies nicht ausdrücklich untersagen. Nachdem sich medialer Protest regte, „distanzierte“ sich unsere Regierung jetzt allerdings umgehend von dem Datenschacher-Paragraphen, allen voran die CSU und Innenministr Friedrich, denen das Zustandekommen dieser datenrechtlichen Ungeheuerlichkeit maßgeblich zu verdanken ist. 

Auch Parteigenossin Aigner, ihres Zeichens Verbraucherschutzministerin, die vor noch nicht allzu lange Zeit in schrillsten Tönen vor der „Datenkrake“ Facebook warnte, verpennte es, bei der Quickie-Lesung im Bundestag auf den Datenschutz zu pochen. Jetzt obliegt es dem Bundesrat, dem Staat den Handel mit unseren Adressen zu untersagen.

Schon erstaunlich, wenn man bedenkt mit welchem Furor sich Frau Aigner sonst in das Leben erwachsener Menschen einmischt – wenn auch nur zu unserem Besten! Die rührige Super-Nanny warnt uns arme Toren nicht nur vor den Gefahren sozialer Netzwerke, sie steht uns auch bei, wenn nicht genügend Haselnüsse im Frühstücksmüsli sind. Die Begutachtung unserer Konsum- und Essgewohnheiten scheint ohnehin Aigners Lieblingsbeschäftigung zu sein. Wie viele Lebensmittel wir kaufen, wie wir sie zubereiten, wie viel wir wieder wegschmeißen – die oberste Hauswirtschafterin hat selbst zu unserem Küchenabfall eine Meinung und immer ein paar Steuermilliönchen für sinnfreie Projekte und Volkserziehungskampagnen parat.Vielleicht sollte sich die Frau Ministerin wieder ihren eigentlichen Aufgaben widmen, anstatt den Bürgern dieses Landes gute Ratschläge zu so privaten Dingen wie der Computernutzung oder den Ernährungsgewohnheiten zu erteilen.

Aber vermutlich ist die ganze Aufregung ohnehin überflüssig. Die Kompetenz unserer Behörden im Umgang mit sensiblen Daten ist schließlich legendär. Der BND verschlampte die Baupläne seiner neuen Zentrale in Berlin schon bevor diese überhaupt bezugsfertig war, der Verfassungsschutz schredderte „aus Versehen“ ein paar zentrale Akten zur schlimmsten rechtextremistischen Mordserie die das Land je gesehen hatte und das BKA löschte mir nichts, dir nichts Telekommunikationsdaten aus der Überwachung von Terrorverdächtigen. Also keine Panik. Wenn die Adresshändler bei den Meldebehörden auf der Matte stehen, dann sind unsere Daten schon lange mit der neuesten Moorhuhn-Version überschrieben worden, da gehe ich jede Wette ein.