Den Bundestagspräsidenten halte ich für einen klugen Kopf. Fast bewundert habe ich ihn für die Entscheidung Klaus-Peter Willsch und Frank Schäffler gegen den Willen der eigenen Fraktionen reden zu lassen. Da hat er dem Minderheitenvotum Geltung verschafft. Da verwundert es den Zuschauer, dass er die Meinungsvielfalt unter den Ökonomen unterbinden will.  Das offenbart ein falsches Verständnis der Geistes- und Sozialwissenschaften, der Ergebnisse meist nur noch nicht widerlegt sind. Und es zeigt, dass der Zeitgeist nicht nur bei der Euro- und Bankenrettung sondern auch bei der “Klimapolitik” in die falsche Richtung weist. 

Wer eine Einheitsmeinung fordert, ist bald bei der Einheitsfront, der Einheitspartei und der Diktatur. Erkenntnisgewinn verspricht aber nur das Verfahren von Versuch und Irrtum und der scharfen Popperschen Nebenbedingung der Falsifizierbarkeit.

Der im Kantschen Sinne aufgeklärte Politiker darf auch der vermeintlichen Wissenschaft nicht blind vertrauen sondern muss ihre Hypothesen immer kritisch hinterfragen. Lammert kann doch kaum von seinen Kollegen erwarten, dass die den gesunden Menschenverstand an der Garderobe abgeben. Das verlangen allerdings die oberen und unteren der Fraktionen, die die Abstraktionsfähigkeit ihrer Kollegen so hoch schätzen, dass sie durch das Hochhalten der richtig farbigen Stimmkarte an der Urne im Plenarsaal die Richtigkeit des Abstimmungsverhaltens sicherstellen.

Demokratie und Wissenschaft sind dabei ein stetiger Widerspruch. Auch wenn 190 Unterzeichner des Sinnschen Brandbriefs gegen die Bankenunion ein Indiz für die Richtigkeit des Apells sein mögen, entlastet das den genauen Zuschauer nicht vom genauen Studium und der Überprüfung. Auch die Mindermeinung kann weniger falsch sein.

Das kann exemplarisch beim Weltklimarat beobachtet werden, wo Wissenschaftler mit abweichender Meinung klagen müssen, wenn sie in einem Bericht, dessen Hypothesen sie nicht teilen, als Autor legitimierend aufgeführt werden.  Begründet wird dieses Verfahren von den UN mit dem Demokratieprinzip.

Dessen zivilisatorischer Gewinn besteht allerdings alleine darin, dass man nunmehr Köpfe zählt, statt sie einzuschlagen. Über die Richtigkeit des Ergebnisses ist damit nichts gesagt.

Der Versuch der politischen Klasse, den wissenschaftlichen Diskurs nicht einmal zu ignorieren oder Mahner wie Sinn und Konsorten mit Empörung zurückzuweisen, ist ein Beleg dafür, dass das Handeln längst nicht mehr der Wahrheit und der Aufklärung verpflichtet ist. Nur was falsch sein kann, bewährt sich. Und: There is always an alternative.