Nach der ganzen Aufregung um Eurokrise, ESM und Transferunion ist es an der Zeit sich wieder den existentiellen Problemen zuzuwenden: Der fortgesetzten Verbrauchertäuschung durch die Lebensmittelindustrie zum Beispiel

Dankenswerterweise lässt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Millionen Euro springen, damit sich abgezockte Kunden gegen die unsäglichen Praktiken der Branche zur Wehr setzen können. Auf dem Internetportal „Lebensmittelklarheit“ bringen engagierte Bürgerinnen und Bürger der Verbraucherzentrale Betrugsfälle zur Kenntnis, die dann strenge Verwarnungen in Richtung der Panscher und Giftmischer im Gewande seriöser Unternehmen ausspricht. Die gesammelten Fälle sprechen für sich:

Frau Z. aus Düren hätte sich vom Korn Mühle Schoko Müsli „mehr Haselnüsse erwartet“, Frau G. aus Bonn möchte in ihrer „Schwarzwaldcreme mit Schafskäse“ keinen Käse aus Griechenland sehen und Frau J-K aus Bischbrunn moniert, dass der Joghurt Fantasie Vanilla Erdbeer gar keine echte Vanille enthält.

Besonders schwerwiegend ist der Fall von Herrn S. aus Mönchengladbach, der „zu wenig Waffeln mit Schokolade“ in der Desiree Waffelmischung beanstandet. Die Verbraucherzentrale sieht das genauso:

Bei dem Produkt erwarten Verbraucher aufgrund der Abbildungen von Schokowaffeln und der Bezeichnung „Waffelmischung“ nach Ansicht der Verbraucherzentrale einen wesentlich höheren Anteil der mit Schokolade überzogenen Waffeln.

Man muss schon einen an der Waffel haben, um für diese Sammlung von Belanglosigkeiten eine Millionen Euro Steuergelder auszugeben.

Dieselben Leute, die früher den Vermieter umgehend darüber informierten, dass der Student aus dem ersten Stock wieder einmal Damenbesuch hatte und sich bei Kunzes der Unrat auf dem Balkon stapelt, zählen heute die Rosinen im Müsli und schicken dann eine böse E-Mail an die staatlichen Verbrauchersicherheit, die den werten Surfer auf der Startseite stilecht mit der Aufforderung „Produkt melden“ empfängt.

Erwachsene Menschen, die nicht dazu in der Lage sind das Kleingedruckte zu lesen und sich stattdessen an die Werbefotos auf der Verpackung halten, sind keine Betrugsopfer sondern schlicht unmündige Trottel. Überhaupt muss man arg wenig Ahnung von Nahrungsmitteln haben, wenn man allen Ernstes erwartet, dass in einem Billigjoghurt „echte Vanille“ enthalten ist. Wer auch beim Nahrungsmittelkauf Geiz für geil hält, der braucht sich nachher nicht zu beschweren, wenn er kein kulinarisches High-End-Produkt in Händen hält sondern Erzeugnisse aus dem Lebensmittellabor.  Selber denken, sich informieren und beim Einkauf etwas genauer hinschauen. Mit diesen einfachen Regeln hätte sich ein Großteil der „Täuschungsfälle“, die das Portal aufführt vermeiden lassen. Die Projektkoordinatorin der Verbraucherzentrale hält das offenbar für unzumutbar und fordert, wen wundert’s, dringend „rechtliche Änderungen, was auf einer Verpackung wo zu stehen habe“.

Tatsächlich liegt hier der skandalöse Kern des Problems: Kleinliche Querulanten, die Strichlisten über Schokowaffeln führen und erboste Briefe an den Hersteller schreiben gab es immer schon. Und tatsächlich kann es nicht schaden ein Unternehmen darauf hinzuweisen, dass eine Rindersuppe auch Rindfleisch enthalten sollte. Das nennt sich Konsumentenmacht. Warum es hier der millionenschweren Intervention des Staates bedarf erschließt sich allerdings nicht. Der Markt regelt so etwas über Angebot und Nachfrage, ganz ohne Steuergelder.

Ich werde mich trotzdem demnächst an das Portal wenden: Schwarz-Gelb versprach konservativ-liberale Politik, also auch weniger Bürokratie und mehr Markt. Davon kann fast drei Jahre nach der Wahl keine Rede mehr sein. Ich fühle mich getäuscht! Verbraucherzentrale, übernehmen Sie!