Despektierlich nahm die westdeutsche Öffentlichkeit die Rede Ronald Reagans auf, in der er von Gorbatschow verlangte, die Mauer nieder zu reißen. Keine zwei Jahre später erledigten das die Ostdeutschen selbst und die Russen hatten nicht mehr genug Sprit in den Panzern, um von der Kaserne bis zur Mauer zu kommen. Reagan hatte Recht. Er war nicht nur ein Visionär, sondern ein Mann mit Mut, der sein Land saniert hatte und die Russen niedergerüstet. Frieden schaffen mit immer mehr Waffen. 

Die Kombination aus Mut und Willen zur Freiheit hat in Wahrheit den Kontinent von der Sowjet-Diktatur befreit. Gorbatschow war nicht ein Held der Freiheit, sondern der Insolvenzverwalter, der erkennen musste, dass letztendlich das Verfahren mangels Masse gar nicht erst eröffnet wurde.

Ronald Reagan dachte wie F.A. v. Hayek in seiner berühmten “Theorie der komplexen Phänomene”. Nur wer den Überblick behält, kann die Struktur erkennen. Und da ist zuviel Detailismus nicht von Vorteil. Auch sein hohes Alter und die Tatsache, dass er ein Attentat nur knapp überlebte, führte wohl dazu, dass er seine Kraft konzentrierte und eine der wichtigsten Eigenschaften für einen politischen Führer behielt: Humor. Als er nach dem fast geglückten Attentat in den OP geschoben wurde, sagte er zum operierenden Chirurgen: “I hope you vote Republican”. Und im Kabinett bat er vor Beginn der Sitzung, ihn zu wecken, wenn es ernst wurde.

Reagans Mut machte seine Führungsstärke aus. Er sanierte die USA, in dem er die Steuern senkte und dafür sorgte, dass die Zinsen erhöht wurden. Er machte sich damit nicht beliebt und blieb den deutschen Salon-Sozialisten stets ein Gräuel. In Kreuzberg flogen während er an der Mauer stand, die Steine.

Auch der linksintellektuelle Tagesspiegel-Leser hält ihn bei einer Umfrage bis heute zu einem Kalten Krieger, der den Weltfrieden durch die Aufrüstung gefährdet hat. Da graust es mir.