Sebastian Bruns von der Uni Kiel liefert heute den mit Abstand besten Artikel zur deutsch-israelischen U-Boot-“Affäre” ab. So sieht Politikwissenschaft aus, wenn sie nicht verlabert postmodern daher kommt. Eine Wohltat angesichts des Schwachsinns, den “Friedensforscher” und andere Pseudosozialwissenschaftler in unschöner Regelmäßigkeit in den Qualitätsmedien ausbreiten.

Trotzdem ist der Zustand der sicherheitspolitischen Diskussionskultur in diesem Lande beängstigend. Abgesehen von Clemens Wergin und Josef Joffe scheint es kaum Journalisten zu geben, die das Einmaleins der atomaren Abschreckung beherrschen.

Das ist verstörend und erstaunlich zu gleich, denn eigentlich haben wir in Deutschland während des kalten Krieges genügend Erfahrung zu diesem Thema sammeln können. Aber vielleicht liegt hier, neben dem gerade in linken Kreisen weit verbreiteten Motiv des (eliminatorischen) Antizionismus, auch der Grund für die irrationalen bis hysterischen Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit auf die banale und lang bekannte Nachricht von der Lieferung deutscher U-Boote nach Israel.

Das Narrativ der Friedensbewegung bestimmt immer noch unsere Wahrnehmung der Blockkonfrontation in den 80er Jahren und verunmöglicht so eine realistische Sicht auf sicherheitspolitische Fragen. Dabei würde eine kritische Aufarbeitung hier dringend Not tun. Die Friedensbewegung war in Teilen von sozialistischen Geheimdiensten finanziert und einige Gruppen agierten im Dienst der diktatorischen Regime jenseits des Eisernen Vorhangs. Sie war demnach alles andere als eine unbescholtene humanistische Bewegung, auch wenn viele Menschen die sich damals gegen atomare Aufrüstung engagierten, dies aus tiefer Überzeugung und in Unkenntnis der Unterwanderung durch Stasi und Konsorten taten. Das alles ist mittlerweile bekannt, wird aber selten thematisiert. Wen wundert’s, die Demonstranten von damals sitzen heute  an den Schalthebeln der linskfühlenden poltischen und medialen Macht und haben an einer Entzauberung ihrer heldenhaften pazifistischen Jugend kein Interesse.

Darunter leidet das Ansehen Ronald Reagans bis heute. Dabei war es Reagan, der mit seinem harten Kurs das Ende der Sowjetunion erzwang und so die deutsche Wiedervereinigung möglich machte. Davon ist selbst in den Festreden zum 03. Oktober selten etwas zu hören. Stattdessen hat sich das Narrativ vom guten Menschen Gorbatschow durchgesetzt, der irgendwann einfach so zu dem Schluss kam, dass es besser wäre mit Diktatur und Aufrüstung aufzuhören und dem Westen die Hand zu reichen. Dass Gorbatschow keine andere Wahl hatte, weil die marode Sowjetunion das Wettrüsten nicht mehr stemmen konnte, wird oft unterschlagen. Trotzdem gebührt Gorbatschow Respekt: Er war trotz astreiner Funktionärskarriere dazu in der Lage, die eigenen Überzeugungen und das herrschende System, dem er ein Leben lang gedient hatte,  kritisch zu hinterfragen. Die friedensbewegte Linke, deren Propaganda den sicherheitspolitischen Diskurs in unserem Land seit den 80ern bestimmt und die die erschütternde Ahnungslosigkeit  der deutschen “Eliten” in diesem Bereich zu verantworten hat, täte gut daran, es ihm gleichzutun.