Jan Fleischhauer hat eine klare Favoritin für den Vorsitz der Linkspartei und ich teile seine Einschätzung vollumfänglich: Sahra Wagenknecht muss Parteivorsitzende werden. Die anderen Kandidaten können der eisernen Sozialistenlady nicht annähernd das Wasser reichen. Der profilierteste unter ihnen ist Dietmar „Apparatschik“ Bartsch, dem man den ehemaligen DDR-Funktionär immer noch anmerkt. Bartsch kombiniert gekonnt den Charme eines unrenovierten Plattenbaus mit einem unbedingten Willen zum Opportunismus. Egal worüber er spricht, seine Reden klingen immer irgendwie nach dem  Vierteljahresbericht des VEB Resopalwerke Kleinmachnow. Von Kipping und Co. wollen wir hier gar nicht  anfangen. Alle sind sie denkbar ungeeignet, um die Linke aus der Krise zu führen.

Die Linke erleidet im Kleinen, was sich in Deutschland im Großen beobachten lässt: Es mangelt wahrlich nicht an Anhängern linker Politik, aber dafür an authentischen GenossInnen mit Biss. Von SPD über die Grünen bis tief in die Linkspartei wimmelt es nur so von Gefühlssozialisten, die eins und eins nicht zusammenzählen können, aber selbstbewusst Propagandaphrasen wie „soziale Gerechtigkeit“, „relative Armut“ und „neoliberaler Raubtierkapitalismus“ aufeinanderstapeln wie kleine Kinder Bauklötzchen. Über ein theoretisches Fundament verfügen diese wackeligen Gedankengebäude, die uns unentwegt aus Talkshows, Sonntagsreden und Leitartikeln entgegen ragen, eher selten. Das muss auch nicht sein, man hat ja seine Betroffenheit und den unerschütterlichen Glauben an die guten alten Vorurteile über den bösen freien Markt. Irgendwer sollte diesen intellektuellen Minderleistern die „Schere zwischen Arm und Reich“ wegnehmen bevor noch einer heult. Exemplarisch für das Milieu sind die Occupy-Trottel, die sich einbilden „gegen das System“ zu protestieren und es doch nur stützen, in dem sie penetrant mehr staatliche Kontrolle fordern. Sie haben eben nicht verstanden, dass es das planwirtschaftliche Zentralbankwesen und der unbezahlbare Allzuständigkeitswahn der etatistischen Politiker waren, die und die aktuelle Krise eingebrockt haben. Nützliche Idioten mit viel Wut im Bauch und noch mehr Stroh im Kopf, davon gibt es bei den Linken genug.

Wagenknecht ist anders, Wagenknecht ist  „the real Deal“ und vor allem ist sie zur Abwechslung mal nicht dumm. Von unreflektiertem Sozialkitsch hält sie nichts, bei ihr gibt es Butter bei die Fische, oder besser gesagt, Fleisch bei die Piranhas: Unter Stalin war nicht alles schlecht, die Mauer musste nun mal sein und für zionistische Kriegstreiber wird nicht aufgestanden. Der freie Markt soll weg, stattdessen würde sie uns mit einer massiven Ausweitung der staatlichen Zuständigkeiten in alle Lebensbereiche hinein beglücken. Mit den Autokraten Castro und Chavez erklärt sich Wagenknecht selbstredend gerne solidarisch. Das ist alles äußerst gruselig, aber eben auch eine klare Ansage, die nicht verschleiert, wofür linke Politik im Kern steht: Zwang, Planwirtschaft, autokratische Strukturen, Polizeistaat, repressive Politik, Feindbilddenken, Unfreiheit.

So gesehen spricht es übrigens für Wagenknecht, dass sie mit der DDR nur bedingt zu recht kam und als Jugendliche im Ruf stand, „nicht genügend aufgeschlossen für das Kollektiv“ zu sein. Genossinnen wie Wagenknecht gehen nicht in Kollektiven auf, sie führen sie ohne Rücksicht auf Kollateralschäden dem Arbeiter- und Bauernparadies entgegen. Sozialismus eben: Die Avantgarde marschiert eisern voran und der Rest muss sehen wo er bleibt. Was unter Mao und Ulbricht so hervorragend geklappt hat kann heute nicht falsch sein.  Also liebe Delegierte der Linkspartei: Don’t talk the talk, walk the walk. Wählt Wagenknecht zur großen Vorsitzenden und steht ohne wenn und aber zu dem, was links sein wirklich bedeutet. Und wenn ihr erst mal mutig voranschreitet, dann wird den vielen linksfühlenden Bessermenschen in diesem Land vielleicht klar, mit was für einer Ideologie sie so unreflektiert liebäugeln.