Das Inflationskonzept der durchschnittlichen Preisentwicklung ist längst irreführend, weil es wettbewerbsintensive Märkte genauso wenig berücksichtigt wie die Preisentwicklung durch den technologischen Fortschritt. 

Die Preisstabilität einer Volkswirtschaft wird durch den sogenannten Verbraucherindex gemessen. Dieser wird durch einen Warenkorb ermitteln, der die repräsentativen Verbrauchsgewohnheiten der Bevölkerung widerspiegeln soll.

Insgesamt werdenmonatlich 350.000 Güterpreise von fast 600 Mitarbeitern der statistischen Bundesämter gewichtet erfasst.

Die beiden am höchsten gewichteten Bereiche sind Wohnen und Energie sowie Verkehr und Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, die zusammen mehr als 50% ausmachen. Die Kosten der Nachrichtenübermittlung werden dagegen mit lediglich 3% aufgeführt, Freizeit, Kultur und Unterhaltung schlagen mit immerhin rund 10% zu Buche, während die Gesundheit und Pflege mit rund 4% gewichtet werden.

Alle fünf Jahre wird der Index überarbeitet, rückwirkend zum Jahr 2000 wurden etwa Schreibmaschinen aus dem Index gestrichen und die Diskette durch den CD-Rohling ersetzt.

Damit offenbaren sich drei Schwächen des ökonomischen Modells. Gewichtung und Produkte müssten akkurat den tatsächlichen Ausgaben der Verbraucher wider geben, die sich ständig ändern. So ist der relative Anteil des Energieverbrauches in den vergangenen zwei, drei Jahren extrem gestiegen, weil die Energiekosten hoch und die Temperaturen kalt waren.

Andererseits haben sich in den vergangenen Jahren die Kosten für Kommunikationstechnologie und -leistung bei steigender Qualität ständig verringert. Das kann man an unserem Haushalt exemplarisch erkennen: Der ISDN – Anschluß mit 64 k, der AOL-Internet-Zugang und die Mobilfunkrechnung summierten sich auf ca. 200 – 250 DM pro Monat. Für Mobilfunk-Flatrate und 16 MB-Internet-Anschluss mit Festnetz-Flatrate zahlen wir 40,00 €, der internationale Verkehr wird kostenlos via Skype abgewickelt.

Auch die Gewichtung dieses Kostenblocks ist fragwürdig. Insbesondere durch die weite Verbreitung des ursprünglich nur durch Geschäftsleute genutzten Mobilfunks und des Internets stellte sich zunächst einmal ein wesentlich höherer Anteil der Kommunikationskosten am Einkommen des Durchschnittsverdieners dar, auch weil der seine Nutzung wesentlich veränderte.

Umgekehrt verhält es sich mit den Kosten für Heizöl und Benzinverbrauch. Die haben sich seit 2001 gut vervierfacht.

Wesentliche Preisentwicklungen werden also durch den technischen Fortschritt, Wettbewerb und die Veränderung des Nutzerverhaltens beeinflusst. Der Warenkorb eignet sich also n i c h t zur Messung der Geldwertstabilität oder umgekehrt deren Entwertung.

Wesentlich besser geeignet wäre der Preis des Geldes: Der Zins. Der ist jedoch kein Marktpreis sondern politisch gesetzt. Andererseits lässt sich heute schon erkennen, dass Guthabenzinsen heute niedriger sind als die Entwicklung der oben angegebenen Verbraucherpreise. Selbst nach dem Modell der statistischen Ämter ist die allseits geforderte Vermögensabgabe längst Realität. Der reale Wert der Staatsschulden sinkt in dem Umfang, in dem der reale Wert der Vermögen sinkt. Und das sind derzeit in etwa 1%.

Dem gegenüber stehen Vermögenszuwächse im Bereich der realen Sachwerte. Während sich die Aktienmärkte eher seitwärts bewegen, stellt sich derzeit insbesondere bei Immobilien, Wertmetallen, Rohstoffen und Nahrungsmitteln eine regelrechte Hausse ein. Wobei eine Volatilität bei all diesen Preisen zu konstatieren ist.

Zu vermuten steht aber, dass diese Preis-Hausse durch die Menge billiges Geld verursacht wird, die von den Zentralbanken emittiert wird und die in der Realwirtschaft nicht benötigt wird.

Statt alle Preise gleichzeitig zu verteuern, wird dieses Geld in Marktbereiche gelenkt wird, die durch Preissteigerungen eine hohe Rendite versprechen und durch ihre Investition in diese Marktbereiche zur selbsterfüllenden Prognose weiter steigender Preise und Kurse führen.

Bis irgend einem “Player” gewahr wird, dass es sich um eine hoffnungslose Überbewertung handelt. Oder der Markt durch einen exogenen Schock zusammenbricht. Dann platzt die Blase und das virtuelle Geld, das die Zentralbank zur Verfügung gestellt hat, wird deFacto vernichtet.

Dabei ist die Wirkung der Blasenbildung manchmal gar nicht negativ. Gestiegene Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt erhöhen etwa die Einkommen der Produzenten und damit die Wertschöpfung in den Entwicklungsländern. Aber auch dieser positive Effekt wirkt nur so lange, bis die Blase platzt. Und das tut sie.

Stellen wir also fest. Der Prozess der Vernichtung des “FIAT money” ist schon lange in Gange. Er wird verzögert und immer wieder neu angefacht, wenn die Zentralbanken immer größere Mengen künstlichen Geldes, dem kein Wert gegenüber steht, auf den Markt spülen, der wiederum in Blasen wandert und dort irgendwann durch deren Platzen vernichtet wird. Dann beginnt das Spiel vom neuen. Die Zentralbanken spülen einfach noch mehr Geld auf den Markt. Welle für Welle wird die größer.

Dem kann man nur begegnen, wenn man diese Interventionsspirale dauerhaft durchbricht. Als erstes müssen die Zentralbanken die Zinsen erhöhen, das Geld verknappen und dann dem Konzept der guten alten Bundesbank folgen: Als es noch die gute alte D-Mark gab, durfte die Geldmenge nicht schneller wachsen als die reale Wirtschaft. Das hielt die Preise stabil und verhinderte die Blasenbildung. Und wäre ein allererster Schritt.