“Ich nehme diesen Preis nicht an” sagte eins Reich-Ranicki weil er sich durch eine endlose Gala belangloser Preisträger gedemütigt fühlte. Leyendecker nahm den Henri-Nannen-Preis des Unterhaltungsdampfers (Nannen über den “Stern”) nicht an, weil die Bild-Zeitung in der gleichen Kategorie ausgezeichnet wurde wie er. Damit wird die journalistische Selbstbeweihräucherung zum zweiten Mal  in Reihe zur Groteske.

Hans Leyendecker gilt als die moralische Instanz und der Grandseigneur des “investigativen Journalismus” seit Staatsanwälte der Nordrhein-Westfälischen Klassenjustiz ihm Mitte der Achtziger Jahre unter Umgehung des Amtsgeheimnisses Einblick in ihre Akten in der Steuerstrafsache des Wirtschaftsministers a.D. Otto Graf Lambsdorff rechtzeitig vor Redaktionsschluss des Spiegel gaben, um den wahren Schuldigen für das Ende der sozialliberalen Koalition publikumswirksam an den Pranger zu stellen.

Leyendecker, der nahe dem Amtssitz der Staatsanwaltschaft in Bonn lebte, war zum rechten Zeit am rechten Ort. Mehr nicht. Und mit dem Scheckbuch des Spiegel und später der Süddeutschen lässt sich leicht korrigieren.

Wie unerbittlich Leyendecker sich an seine Prinzipien hält, konnte man bereits beim Netzwerk Recherche beobachten. Dort bot er nicht nur á la Helmut Kohl eine 1 Mio. DM Spende unter der Bedingung an, dass der Spender anonym ist. Als zweiter Vorsitzender des Fachverbandes für selbsternannte Elite Journalisten verantwortete er auch die steuerrechtswidrige Anhäufung von rund 500.000 €, die nicht entsprechend dem Vereinszweck ausgegeben wurden und den Subventionsbetrug durch Erschleichung von Fördergeldern der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Neutralität des Vereins wird dadurch unterstrichen, dass die Gewerkschaftseigene Otto Brenner Stiftung an vielversprechende Nachwuchs-Investigaten 5.000 € Spenden vergeben hat und der NDR die Jahrestagung wieder einmal im eigenen Konferenzzentrum beherbergt, was auch beim öffentlich-rechtlichen ZDF dafür sorgen dürfte, dass die Netzwerkrechercheure nicht mal mit dem zweiten besser gucken.

Die Vergabe an die Bild-Leute sagte Leyendecker sei ein Kulturbruch. Und da hat er recht. Und das ist gut so. Denn schließlich brauchen Deutschlands Edelfedern eben gerade einen solchen.

Nicht der Rede wert, dass der neue Netzwerk-Vorstand den Quialitätsfedern von der Süddeutschen beispringt und dem Preisstifter  ungefragt gleich eine neue Jury empfiehlt. “Erfahrene Fachleute” sollten doch lieber über die Leistung urteilen. Am besten vom Netzwerk Recherche ausgewählt. Inzest is a game. The whole family can join it. Und ich bräuchte die Frage nie zu beantworten. Denn niemand würde auf die Idee kommen, ausgerechnet mich auszuzeichnen.