Selten wurde im Hause der Bundespressekonferenz so klare Worte gefunden. Und so deutlich die Wahrheit wurde dort auch schon länger nicht. Das liegt nur daran, dass man den Saal unter dem Raum, in den die Hauptstadtjournalisten regelmässig Merkel und Co zu ihren Lippenbekenntnissen einladen, mieten kann. Und das tat Prof. Markus C. Kerber, um eine Alternative zu alternativlosen Euro-Politik zu präsentieren: Die Paralell-Währung Guldenmark. 

In der Diskussion, an der nach dem Vortrag auch Gunnar Heinsohn und der slowakische “EURO-Skeptiker” Richard Sulik teilnahmen, wurde vor allem eins deutlich: Der EURO ist eine Fehlkonstruktion. Gut gemeint aber schlecht gemacht.

Einfach gesagt: Die ehemaligen Hartwährungsländer, die etwa die D-Mark oder den Gulden mit erstklassigen Sicherheiten unterlegten, mussten die Verwässerung des EUROS durch die anderen hinnehmen, weil in den südeuropäischen Ländern solche Sicherheiten nicht oder nicht ausreichend verfügbar sind. Man kippt sozusagen Wasser in den Schampus und wundert sich, dass der nicht mehr schmeckt.

Kerbers Idee ist einfach: Der EURO behält seine Gültigkeit. Aber die gesunden Industrieländer, im Kern Deutschland und die Niederlanden, gründen eine Parallelwährung mit harten Sicherheiten.

Diese Parallelwährung wird eine vergleichbare Entwicklung nehmen wie der Schweizer Franken: Ihr Wert wird steigen. Dadurch werden die PIIG-Staaten mit einem Schlag wieder wettbewerbsfähig. Weil ihre Preise sinken. Und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie im EURO-Raum wird reduziert, weil die Produkte dort teurer werden.

Kerber will diese Entwicklung schwächen, in dem er das tauglichste der großen Industrieländer mit in den Guldenmark-Club aufnimmt. Entweder Spanien, Italien oder Frankreich. Die Franzosen sind ihm wohl zu machtbewußt. Aber hier hat  Kerbers Konzept auch die größte Schwäche. Mit der Währung ist es wie mit der Schwangerschaft. Hart oder nicht. Halbhart geht nicht.

Die Idee der Parallelwährung führt allerdings auf den richtigen Weg: Die leistungsfähigen Volkswirtschaften werten auf und so entsteht Wettbewerbsfähigkeit für Frankreich, Italien, Spanien aber eben auch Portugal und Irland. Und das ohne Leidensdruck. Zwar wird die deutsche Tourismusindustrie genauso darunter leiden wie die Automobilhersteller. Die sind mit den Verhältnissen zu DM-Zeiten aber auch gut zurecht gekommen. Außerdem nimmt der EURO-Raum im Vergleich zunehmend an Bedeutung ab, weil das Export-Wachstum mit den Schwellenländern und Südostasien gemacht wird.

Der Schritt zum Hayekschen Konzept der konkurrierenden Privatwährungen ist auch nicht weit, auch wenn zu befürchten steht, dass dieser Wettbwerb schnell nur noch einen Sieger kennt.

Bei aller Kritik ist Kerber jedoch zu danken, dass er ein intellektuelles Konzept, wie es Hans-Olaf Henkel im Grunde ja auch vorschwebt, zu einer politischen Alternative formuliert hat, über die wir diskutieren können.

Das Rennen zwischen Hase und Igel ist eröffnet. Stellt sich nur die Frage, ob die europäischen Elite von der Zentralen Zwangswirtschaft der Währung abrücken, bevor der EURO zusammenbricht. Oder nicht.