Ein wenig Melancholie kam auf, als wir gestern das letzte Mal auf dem passagierfreundlichsten Flughafen gelandet sind.  Berlin-Tegel lässt sich von der Innenstadt und unserem Wohnort für ein paar Euro und in ein paar Minuten mit dem Taxi erreichen. Das hält direkt vor dem Gate, weil sich jeder Flugsteig durch das Innere des Oktetts anfahren lässt. Nach ein paar Metern ist man sein Gepäck los und sitzt im Warteraum. Das ist Vergangenheit. Bald hat Berlin nahe Westpolen einen Großflughafen der weiten Wege, der sich wie der von München eigentlich nur aus der Luft erreichen lässt. 

Was uns ab Juni blüht, haben wir gerade dort im schniecken neuen Terminal 2 erlebt. Auch auf Laufbändern braucht es eine Ewigkeit, vom Gate zur Gepäckausgabe oder vom Drop-Off zum Gate zu kommen. Da es nur noch eine Sicherheitskontrolle gibt, darf man sich Montags und Freitags über den Stressfaktor freuen, ob man seinen Flieger noch rechtzeitig erreicht. Vorher hat man die Wahl, für 70 Euro mit dem Taxi über die Autobahn zu hetzen, einen etwas teureren Mietwagen zu nutzen oder mit der S-Bahn den Weg vom Hauptbahnhof in einer Dreiviertelstunde zurückzulegen, die nur alle halbe Stunde fährt, weil man dort gerade über eine dritte Startbahn diskutiert aber nicht in der Lage ist, auf dem niederbayerischen Lande ein zweites S-Bahn-Gleis zu installieren.

In Berlin freuen wir uns bei der S-Bahn dann auch noch über die ein oder andere Einlage durch Verspätung, Zugausfall oder Signalfehler. Dafür wird das Ticket teurer.

Für den Westberliner steigt der Zeitaufwand für die Reise nach München von drei auf vier Stunden. Der ICE braucht fünf. Da steigt man aber in Spandau zehn Minuten vor Abfahrt ein, packt sein Notebook aus oder liest ein gutes Buch und muss allenfalls irgendwo zwischen Hildesheim und Fulda den Zug wechseln, am gleichen Gleis. Auch gegenüber den Auto ist die Reise von Großflughafen zu Großflughafen zeitlich kaum vorteilhafter.

Dafür aber bequemer. Denn während der Flughafen Tegel die Abfertigung von Passagieren optimierte, steht bei den neuen Protzbauten die effiziente und zeitsparende Abwicklung von Starts und Landungen gefragt. Das mag nicht in´s Gewicht fallen, wenn die Reise in die Ferne geht. Innereuropäisch ist das nicht nur lästig. Sondern ärgerlich.

Vor rund fünfundzwanzig Jahren hatte Berlin vier Flughäfen, wie Paris oder London: Gatow, Tegel, Tempelhof und Schönefeld. Dass die anderen europäischen Metropolen ihre alten Flughäfen nicht geschlossen haben, sollte den großmannsüchtigen Berliner Provinzpolitiker zu denken geben.