In den siebziger Jahren gab es eine gleichnamige Sendung in der “Kinderstunde”; in der ein vorwitziger Spatz vom Dach des WDR-Funkhauses das Leben auf dem Platz kommentierte. Nach Günter Wallraff war der Platz nicht benannt.

Der galt als die Ikone des deutschen Enthüllungsjournalismus war Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit, wenn man der Aktenlage der “Jahn-Behörde” Glauben schenkt. Die Reflexe von Zeit bis SZ lassen nicht auf sich warten und die alte westdeutsche Frontlinie der Springer- gegen die Augstein-Presse lässt sich besichtigen. Es ist geradezu verdächtig, wie sehr Augsteins Erben in allen Medien den Reflex zeigen, den sie der “Springer-Presse” vorwerfen. Als ob sie was zu verbergen hätten.

Die Frage, wie sehr die Manipulationsversuche der ostdeutschen Klassenkämpfer gefruchtet haben, ist mehr als eine historische Betrachtung. Dass am Ausgangspunkt der Achtundsechziger-Bewegung der Mord eines Stasi-IM in Westberliner Uniform an einem demonstrierenden Studenten geschah, wirft die Frage auf, was geschehen wäre, wenn Kurass nicht auf Benno Ohnesorg geschossen hätte.

Was wäre geschehen, wenn die Stasi nicht einen oder mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete bestochen hätten, um das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt abzuwehren. Rainer Barzel wäre Kanzler geworden.

Natürlich hätte die ehemalige Kanzlerkandidatin der Linken das Mitglied der NSDAP Kiesinger auch ohne die 2000,00 Aufwandsentschädigung aus der Kasse des einzig antifaschistischen Staates geohrfeigt, aber hat Beate Klarsfeld nicht etwas blauäugig bei der Beweisführung auf die Akten des Arbeiter- und Bauernstaates gesetzt.

Was da tröpfchenweise rauskommt, hatte wohl System. Während in den zurückgewonnenen Ostgebieten jeder Stasi-Pförtner seiner beruflichen Existenz beraubt wurde, konnte sich die westdeutsche Intelligenzia, die mit den DDR-Organen kollaberiert hatte, dank der Inbesitznahme der “Rosenholz”-Dateien und der Aktenvernichtung durch die “Hauptabteilung Aufklärung” vergleichsweise sicher sein, auf Jahrzehnte nicht entdeckt zu werden.

Und während ein großer Teil der DDR-Bürger ihre Verpflichtungserklärungen kaum aus freien Stücken unterschrieben hätten, gab es bei ihren westdeutschen Counterparts wenig Möglichkeit, sich auf Repression oder politischen Druck zu berufen. Sie waren reine Gesinnungstäter.

Dass ausgerechnet die USA uns vor der reihenweisen Entlarvung derjenigen in unseren Reihen bewahrt haben, denen die DDR näher war als unsere freiheitlich rechtliche Grundordnung ist eine Ironie des Schicksals. Nun sollen die Daten, die sie einst in ihren Besitz brachten, um die Spione in den eigenen Reihen zu entlarven, in der Jahn-Behörde eingetroffen sein. Es steht zu vermuten, dass Wallraff, dem man ja schon früher nachgewiesen hatte, dass er einige Dinge schlicht erfunden hatte, um die Sache ein wenig spektakulärer zu machen, nicht der letzte sein wird, dem ausgerechnet der SZ-Investigator Hans Leyendecker zur Seite springen muss.

Auch wenn auf Einzelschicksale keine Rücksicht genommen werden kann: Eine Diskussion über den Einfluß der Sicherheitsorgane der Deutschen Demokratischen Republik auf die veröffentlichte Meinung und die Politik im Westen ist nicht nur für die Geschichtsschreibung der Bundesrepublik von Bedeutung. Ihre Akteure wurden nie abgeschaltet und stehen noch heute in der ersten Reihe der Berufsintellektuellen der Republik und füllen die Sitze der Talk-Shows. Nur leider wissen wir nicht, wer sie sind. Ihre Überzeugung werden sie nicht verraten. Für den Rest der Republik lässt sich das nicht sagen.

 

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