Die absurde Diskussion um den GraSSschen Buchstabensalat offenbart, dass die westliche Welt die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm nicht im Ansatz verstanden hat. Schon heute könnte das iranische Militär durch eine Blockade der Straße von Hormus die Öllieferungen in großem Stile unterbinden. Mit der Bombe könnte das Land nicht nur Israel sondern den gesamten Nahen Osten die Türkei und wohl auch noch Zypern oder Griechenland bedrohen. Das absurde an der Situation ist, dass wenn überhaupt die israelischen Nuklearwaffen wie ein Schutzschirm für die Region wirken und gerade die aus Deutschland gelieferten U-Boote mit ihrer Zweitschlagfähigkeit die ganze Region vor der iranischen Erpressung schützen könnten.

Der kalte Krieg war durch eine einfache Erkenntnis geprägt: Wer als erster seine Atombomben zündet, stirbt als zweiter. Für die Mullahs von Teheran muss diese Erkenntnis kein Schaden sein: Wenn man sich beruflich verbessern kann.

Aus diesem Grund verfährt man wohl besser, wenn man den Verbrechern, die ja auch ihr eigenes Volk mit Mörderbanden unter Kontrolle halten, gar nicht erst ermöglicht, in den Besitz von Atomwaffen zu kommen. Noch besser wäre es, dieses Volk in die Lage zu versetzen, sich selbst zu befreien.

Wenn die Mullahs erst einmal im Besitz der Bombe sind, werden sie jedem, der sich in Reichweite ihrer Raketen befindet, erpressen, etwa nach Europa oder in die USA kein Öl mehr zu liefern. Um das Wohlverhalten des Westens zu provozieren, reicht die bloße Drohung. Es wird oft vergessen, dass die Grenze zwischen dem Iran und der Türkei die Aussengrenze der NATO darstellt. Und gegen eine Türkei unter iranischer Kontrolle dürfte uns Erdogans Regentschaft wie ein Ausbund an freiheitlichem Säkularismus vorkommen.

Und mittlerweile haben sowohl die Schwellenländer aus Südostasien als auch die Industriestaaten veritable wirtschaftliche Interessen in der Türkei. Dort werden Mercedes-Transporter, Autos von Fiat und Renault genauso hergestellt wie koreanische Busse, DVD-Rekorder und Flachbildschirme.

Die Gefährlichkeit des Iran beruht auf seiner mangelnden wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Es handelt sich deFakto um eine Zentralverwaltungswirtschaft islamischen Typs, in der die Unternehmen und Betriebe deFacto den islamistischen Milizen und Mörderbanden gehören. Der Gewinn wird nicht in die Steigerung der Produktivität gesteckt sondern in japanische Enduros und Schlagstöcke, mit denen der nächste Volksaufstand viel effektiver niedergeschmettert werden kann als mit den Panzern russischer Bauart, mit denen Assad gerade sein Volk zerbombt.

Im  Iran grassiert die Inflation, die Einnahmen aus dem Ölverkauf reichen nicht mal aus, um den Brotpreis und die Lebensmittel weiter zu subventionieren um auf diesem Wege das gemeine Volk ruhig zu stellen. Auch das bisher subventionierte Benzin musste bereits vor Jahren rationiert werden: Die Ölindustrie ist nicht einmal leistungsfähig genug, um den eigenen Bedarf an fertigen Produkten zu decken. Deshalb muss Rohöl exportiert und raffiniertes Benzin importiert werden.

Würde der Iran eine logische Energiepolitik betreiben, müsste er also seine Ressourcen auf den Aufbau einer effizienten Ölindustrie konzentrieren und zusätzlich die immensen Erdgas-Vorkommen zu erschließen, um die Kosten der Unterdrückung und des Regimes weiter zu erwirtschaften.

Vor diesem Hintergrund hat der Westen zwei unterschiedliche Optionen, die entweder den Erhalt der Diktatur und der Menschenrechtsverletzungen in Kauf nehmen. Oder (Option 2) auf den Sturz des Regimes hinwirken.

Option eins wäre dem Iran im Gegenzug zur Einstellung des Atomprogramms beim Aufbau neuer Raffinerien zu helfen und bei der Erschließung der Erdgasaufkommen etwa durch einen Bau einer Pipeline durch die Türkei nach Westeuropa zu helfen. Schröders Gazprom wüsste, wie das geht.

Option zwei würde genau das Gegenteil bedeuten. Eine militärische Zerstörung der noch bestehenden Infrastruktur und Ölindustrie würde das Regime sehr schnell in die Knie zwingen und bei Maximierung des volkswirtschaftlichen Schadens die Zahl potentieller menschlicher Opfer gering halten, weil man ja auch gezielt Pipelines und Verbindungswege zerstören könnte.

Das Risiko der zweiten Strategie besteht allerdings in der Möglichkeit “irakische” Verhältnisse zu produzieren und die Herrschaft der Mullahs durch den Terror von Al Quaida zu vertauschen. Andererseits verhält es sich bei den Iranern anders als in den Nachbarländern. Es gibt eine starke, gut ausgebildete Gemeinde von Exilanten und auch im eigenen Land sind viele intelligente und leistungsbereite Menschen in der inneren Opposition.

Für mich wäre die Entscheidung deshalb klar: Option Nummer zwei ist strategisch die bessere Wahl.  Bleibt alles beim alten wird das ganze zur Zitterpartie: Implodiert die Diktatur bevor sie in den Besitz der Bombe gerät. Die V2 lässt grüßen.