Als der Bundeskanzler in der alljährlichen Sommer-PK vor der Bundespressekonferenz auf seine schlechten Umfragewerte angesprochen wurde, reagierte er in aller Gelassenheit: “Der Umfragensieger des vergangenen Jahres kommentiert jetzt für die Bild-Zeitung die Tour de France”. Gesagt hat es Helmut Kohl und gemeint war Rudolf Scharping, der monatelang in den Meinungsumfragen vor der Bundestagswahl in Nordrhein-Westfalen als Kanzler-Kandidat bereits eine virtuelle Rot-Grüne Koalition anführte, bevor Kohl und Schwarz-Gelb wieder mal gewann.

Bei der Schröder-Wahl 1998 hatte niemand Rot-Grün auf dem Zettel, es roch vielmehr nach großer Koalition, 2002 sah man Schwarz-Gelb unter Stoiber vorn und 2005 auch. Lediglich 2009 landete man einen Treffer. Auch wenn das sagenhaft schlechte Ergebnis der CDU/CSU, die stets über 40% notierte, zumindest 2002 und 2005 nicht vorhergesagt wurde.

Das einzige, was sich über Meinungsumfragen sagen lässt, ist, dass ihr Resultat nicht mit dem amtlichen Endergebnis übereinstimmt. Die Interaktion mit dem Wählerverhalten ist nicht nachweisbar und der Spruch von der höheren “Volatilität der Wähler” ist nichts anderes als ein Immunisierungsversuch, der trotzdem die Wertfhaltigkeit der Demoskopen an sich in Frage stellt.

Kohls Gelassenheit im Umngang mit Meinungsumfragen sollten Politiker sich heute zu eigen machen. Und mit aller Ruhe die Politik durchsetzen, für die sie gewählt werden. Denn abgerechnet wird erst zum Schluss. Und so werden sich die öffentlich-rechtlichen Zwangsjournalisten an den Stehtischen in den Landtagen von Kiel und Düsseldorf die Augen reiben und ein Ergebnis verkünden, das vor Wochen kaum ein Demoskop auf dem Schirm hatte. Für NRW wage ich eine Prognose: CDU schifft ab, SPD gewinnt, Grüne verlieren kräftig, Piraten fast oder ganz zweistellig, FDP drin, Linkspartei raus. Und keine absolute Mehrheit für Rot-Grün.

Wetten werden angenommen.