Joachim Gauck sei der falsche Mann, schreibt Efraim Zuroff, Leiter des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem in der TAZ, weil er die Prager Erklärung mit Vaclav Havel und anderen unterschrieben hatte, in der ein europaweiter Gedenktag  am Tage des Hitler-Stalin Pakts gefordert wurde:

Anstatt auf die zwar nicht perfekte, aber zu großen Teilen doch erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit aufzubauen, wird er voraussichtlich jene Stimmen stärken, die die Bedeutung des Holocaust in der deutschen Geschichte herunterspielen und das Bewusstsein davon kleinhalten wollen. Anstatt als Vorbild für das postkommunistische Osteuropa zu dienen, das komplett daran gescheitert ist, sich seiner blutigen Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg zu stellen, wird er vermutlich jene Tendenzen stärken, die sich der Verantwortung entziehen wollen und sich in ihrer Opferrolle suhlen.

Das ist absurd.

Zuroffs Hypothese lautet verkürzt: Weil Kollobarateure aus Osteuropa bei der industriellen Ermordung der Juden

“geholfen hätten, dürften diese Völker die Massen- und Völkermorde, die die Kommunisten und Sowjets begingen, nicht mit den Nationalsozialismus vergleichen.

Außerdem handelten die Kommunisten aus ganz anderen Motiven:

Denn dieser Vergleich ignoriert absichtlich die entscheidenden Unterschiede zwischen der Naziideologie, die darauf abzielte, bestimmte Menschen nur ihrer Herkunft wegen zu vernichten, und ihrem kommunistischen Gegenstück, dessen Opfer primär auf Grundlage ökonomischer und politischer Faktoren identifiziert wurden. Die behauptete Austauschbarkeit beider Phänomene übersieht den präzedenzlosen Charakter des Holocaust und erhöht die kommunistischen Verbrechen in ihrer tatsächlichen historischen Bedeutung.

Geschieht den Kommunistenhassern doch recht, wenn sie ermordet wurden. Und den Ukrainern auch. Ihre Existenz stand den ökonomischen Bedürfnissen Stalins entgegen. Da mussten sie eben verhungern. Ob das übrigens nur 4 oder doch 12 Millionen waren, ist zumindest umstritten.

Und pikanterweise trieb Stalin sein Unwesen schon, als Hitler noch gar nicht an der Macht war. Die künstlich herbeigeführte ukrainische Hungersnot fand 1932/33 statt.

Ich glaube es war Broder, der unlängst sagte, wer den Holocaust für einzigartig halte, verleugne die Gefahr dass er sich wiederholt.

Wer die stalinistischen Verbrechen furchtbar nennt und darauf hinweist, dass es für seine Opfer keine Gedenkstätten gibt, relativiert weder den Holocaust noch die lettischen, polnischen oder ukrainischen Kollobateure. Und auch nicht die Tatsache, dass Ausschwitz von der roten Armee befreit wurde. Die allerdings nicht ausmarschiert ist, um die Juden zu retten und Europa die Freiheit zu bringen. Sondern um den Kommunismus/Stalinismus zu verbreiten und dabei auch noch die Nazis zu verjagen, mit denen man einst paktierte.

Die Erklärung vom 08. Mai, die auch vom Kommunismusopfer Vaclav Havel unterschrieben wurde, ist kein Ausweis der Relativierung des Holocaust. Es ruft Verbrechen in Erinnerung, die natürlich gegen die Menschlichkeit gerichtet waren und die die Etikette Völkermord ganz zu Recht tragen.

Ein Wettbewerb, welcher Völkermord einzigartiger gewesen wäre, wurde von Gauck, Havel und anderen nicht ausgerufen, wird aber von Zuroff unterstellt und betrieben. Den Millionen Opfern ist gemeinsam, dass sie litten und starben. Für sie ist es egal, aus welchem Grund, ob technisch, ökonomisch oder rassistisch. Sie sind tot.  Zuroff aber relativiert die Schuld der Stalinisten und tut damit das gleiche, was er Gauck und Konsorten unterstellt. Nur umgekehrt.