Wer zu früh kommt, der verpasst das Leben. Der FDP-Vorsitzende Philip Rösler veröffentlicht mit 38 seine Biographie und wartet wohl langsam auf den Bambi für das Lebenswerk. Christian Lindner bringt mit 33 mehr Lebenserfahrung mit. Seine Werbeagentur war insolvent und mit 32 hatte er seinen ersten Rücktritt als FDP-Generalsekretär hinter sich. Knapp ein halbes Jahr später feiert er sein Comeback. Und wer ihm heute im Deutschlandfunk zugehört hat, hat wenig Hoffnung, dass das gelingt. 

Lindner ist einer der Hauptverantwortlichen für das FDP-Desaster. Statt das Wahlprogramm umzusetzen, entschied er sich, ein neues Parteiprogramm zu entwickeln. Statt auf schnellen Reformen noch vor der NRW – Wahl 2010 zu bestehen, ließ man sich in Merkels Demobilisierungsstrategie einbinden und setzte sich mit der eigenen Passivität dem Spott des linken Mainstreams aus und gab sich der optischen Täuschung hin, durch den Ersatz Westerwelles durch die Boy-Group sei es getan.

Die bewies schnell, dass ihr das notwendige Format eines Hans-Dietrich Genscher und die Prinzipientreue eines Otto Graf Lambsdorff abgingen – weil sie die Prinzipien im Zweifelsfall nicht mal kennen.  Stattdessen programmierten sie den Weichspül-Liberalismus, der den Unterschied des Freiheitsbegriffs von Joachim Gauck mit dem von Luc Jochimsen verwischt.

Nun soll Lindner die NRW-FDP wieder in den Landtag führen und wird gleich heute morgen im Radio dazu befragt. Und ließ sich wie folgt ein:

Zum Zweiten aber geht es in Nordrhein-Westfalen noch auf einer höheren Ebene um etwas, nämlich darum, dass es weiter in den deutschen Parlamenten eine Stimme der Freiheit gibt, eine konsequent liberale Partei.

Das wäre schön, wenn es eine solche Partei gäbe. Aber Lindners FDP ist das nicht. Die Partei ist mit Liberalismus programmatisch nicht in Verbindung zu bringen.

Das offenbart das Erkenntnisproblem der jungen Männer. Sie sind sich selbst eigentlich genug. Und freuen sich auf´s Übergangsgeld. Dann werden sie die Freiheit zurückgewonnen haben , über sich selbst und ihren Terminkalender zu bestimmen.