Eine Nahostreise taugt immer zur Profilierung. Zu dumm, wenn keiner davon was mitkriegt. Dann muss man eben etwas drauflegen. Schade, wenn die eigenen Genossen aus Düsseldorf einem einen Strich durch die Rechnung machen und am gleichen Tag die Minderheitsregierung platzen lassen. Da hilft nur noch Facebook. 

Der SPD-Vorsitzende, der sich bisher noch nicht als gewiefter Außenpolitiker hervor getan hat, sieht seine Zeit für gekommen an. Um gegenüber Steinbrück und Steinmeier zu punkten, bedarf es dringend etwas mehr Profil. Das holt man sich am Besten in Israel.

Denn das schöne am Nahost-Konflikt ist, dass eine Lösung ziemlich aussichtslos ist. Da kann sich der deutsche Politiker profilieren. Die entsprechenden Schlagworte kann man gut daheim üben: “Palästinenser”, Zwei-Staaten-Lösung und so weiter. Und wenn man etwas provokantes sagen will, fährt man in den Gaza-Streifen und spricht mit der Hamas. Zu dumm, dass die gerade mehr als 100 Raketen auf Südisrael feuern lässt. Das macht erstens den Politiker-Besuch unmöglich und zweitens widerlegt es ein wenig der Hypothese, dass die bösen Israelis nur ein wenig lieber zu den Arabern sein müssten und schon wäre der Frieden da.

Genosse Gabriel reist stattdessen nach Hebron, wo es schon 1929 Massaker an den dort lebenden Juden gab. Ganz ohne Israel. Heute sind dort rund 400 Siedler zuhause, die natürlich dem Frieden entgegenstehen. Dass Juden in der Westbank genauso lange leben wie Araber und auch Christen, ist Siggy natürlich unbekannt. Als Nathan der Weise in der Schule dran war, war er wahrscheinlich gerade nicht da.

Nur seine Freunde kritisiert man. Deshalb spart Gabriel in seinen Facebook-Posts nicht mit Lob für den palästinensischen Ministerpräsidenten von der Westbank, der dort amtiert, ohne vom eigenen Volk gewählt worden zu sein. Dass sich Gabriel den israelischen zur Brust nimmt, versteht sich von selbst. Schließlich ist der Sicherheit Israels schon Genüge getan, wenn der Gymnasiallehrer aus Goslar seine Existenz bejaht. Da kann man das Siedeln ruhig aufgeben, das die “Zweistaatenlösung” unmöglich macht.

Der Mann wäre besser zuhause geblieben.