Ja, ich gebe es zu. Manchmal ist Freiheit scheiße. Und zwar immer dann, wenn andere Menschen den ihnen zur Verfügung stehenden Entscheidungsspielraum in völlig falscher Weise nutzen. So wie neulich Oliver Kahn, der als Experte beim Testländerspiel gegen Frankreich eine Frisur in die Fernsehkameras hielt, deren Beschreibung auf zivilisierte Weise kaum möglich ist. Völlig unverständlich, daß der Sender Kahns Kopf nicht geschwärzt oder verpixelt ausgestrahlt hat. Nicht nur mich erinnerte der Auftritt an Muttis frisurtechnisch beste Zeiten – übrigens noch so eine Person, die sich mit erheblichem Aufwand und koste es, was es wolle, um die richtige Entscheidung herumdrückt. Der Unterschied zwischen den beiden ist, daß er seine Frisur ruiniert hat, aber (soweit ich weiß) nicht seine Finanzen, während sie mit ihrer Frisur den umgekehrten Weg hinter sich hat, aber dafür jetzt meine Finanzen ruiniert.

Kein Wunder, daß da manche der Mut verläßt und sie neue Möglichkeiten erst einmal unter Verlustgesichtspunkten betrachten. So wie Gay West, die die Auswirkungen einer Pille gegen Homosexualität fürchten. Warum versuchen wir nicht, die Dinge andersherum zu betrachten?

Wenn es eine Pille gegen Homosexualität geben könnte (absurde Idee, aber wir spinnen den Gedanken einfach mal weiter), dann doch auch eine gegen Heterosexualität. Und die wäre sicher ein echter Renner, (fast) alle Menschen würden sich um so ein Produkt reißen. Endlich Schluß mit diesem Mann-Frau-Beziehungs-Trara, und weil es keine ungewollten Schwangerschaften mehr gibt, wären alle Kinder Wunschkinder. Eine rundum rosa Welt!

Angesichts der oft grauen und bisweilen rabenschwarzen Welt fällt es schwer, das rosarote Potential der Freiheit nicht zu vergessen. Doch wenn wir von einer Pille gegen Heterosexualität nicht einmal träumen, wird es sie auch niemals geben. Sicher, die entsprechende Forschung würde vielleicht auch die Entwicklung einer Pille gegen Homosexualität ermöglichen. Aber warum sollte die Furcht vor Risiken größer sein als die Hoffnung auf Chancen? Und Selbstmord kann man später immer noch begehen, wenn nichts anderes gegen die Angst vor dem Tod geholfen hat.

Bis dahin sollten wir uns erinnern: selbst Oliver Kahn hatte schon mal eine richtig gute Frisur.