Mathias Grefrath und Peter B. Schumann unterhielten sich heute in der Sendereihe “Essay und Diskurs” zum Thema “Können die Protestbewegungen etwas ändern”. Nur ist das linke Geplänkel alles andere als ein Diskurs. Und ein Essay ist es auch nicht. Sondern eine ziemlich freche spätmarxistische Plauderei, in der die irregeleiteten Altersgenossen, die todesmutig gegen die Tieferlegung eines Bahnhofs protestieren, zu Helden einer neuen wirtschaftsdemokratischen Protestbewegung stilisiert werden. 

Dabei funktioniert Schumann als kenntnisreicher Stichwortgeber für Greffrath, der seine populärmarxistischen Theorien sonor entspannt vorträgt und kein Klischee von den entfesselten Finanzmärkten bis zu den Reichen, die immer reicher und den Armen, die immer Ärmer werden , auslässt. Dabei muss Greffrath ärgerlicherweise zugeben, dass in den “Hartz IV-Quartieren” trotz der entfesselten Finanzmärkte, die an allem schuld sind, nicht einmal jemand verhungert. Er plädiert ungescholten für mehr Planwirtschaft und eine “Wirtschaftsdemokratie” nach dem Vorbild der “Räterepublik” und nennt diese Form der sozialistischen Enteignung dann auch noch mehr “Partizipation”. Dass das Modell der “Arbeiterselbstverwaltung” schon im alten Jugoslawien gescheitert ist, lässt der Mann vorsichtshalber unerwähnt.

Von den Protestbewegungen á la “Occupy”, denen er all so was unterstellt, ist dabei weniger die Rede als von unseren Edel-Kommunisten von “ATTAC”, die der Mann im wissenschaftlichen Beirat unterstützt, weshalb er auch voll des Lobes für den korrekt als “linken Christdemokraten” bezeichneten Heiner Geißler ist, dessen Rhetorik mit der dort ebenfalls publizierten Sarah Wagenknecht auf einer Doppelseite in der Zeit er für austauschbar hält. Zu Recht.

Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn die alten Herren sogar auch noch im Radio ihr spätrevolutionäres Alterswerk zerreden. Das aber doch bitte nicht unwidersprochen. Gehören zum Diskurs nicht auuch gegenläufige Meinungen, die den Unsinn widerlegen und den armen Mann zu sauberer und stringenter Argumentation zwingen. Die Jungs haben es sich in der zwangsgebührenfinanzierten Nische gemütlich gemacht, von wo aus sie gegen diejenigen pöbeln, die sie finanzieren.