Durch Zufall bin ich auf eine interessante Broschüre des österreichischen Zivilschutzverbandes gestoßen. Und ich muss anerkennen, nach deren Lektüre bin ich für alles gerüstet.

Hätten Sie gewußt, daß man zwar durchaus einige Tage ohne Nahrung, aber kaum ohne Wasser auskommen kann? Und daß die Nahrungsmittel für den Notvorrat hochwertig und lange haltbar sein sollten, man sie nichtsdestotrotz regelmäßig ersetzen und auf Schädlingsbefall prüfen muß? Neu ist Ihnen sicher auch, daß insbesondere in Situationen, in denen die Wohnung nicht verlassen werden kann, die Hygiene nicht zu vernachlässigen ist. Gut, ich persönlich wäre Ihnen dankbarer, wenn Sie gerade im umgekehrten Fall an die Hygiene dächten, denn was interessiert es mich, was Sie Ihren Lieben daheim zumuten? Aber trotzdem halte ich mich gerne an die Ratschläge des Zivilschutzverbandes und werde Zahnbürste, Zahnpasta und Toilettenpapier kaufen. Und ich bin sicher, ohne diese nützliche Liste hätten die meisten der im Zivilschutz völlig unerfahrenen Frauen die Tampons glatt vergessen.

Aber auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die Sie katastrophengestählt sind und wahlweise Erfahrungen im Luftschutzbunker oder Duck-and-Cover-Drill gesammelt haben, würden durch die Lektüre dieser informativen Broschüre des um Ihr Wohl besorgten Zivilschutzverbandes so manches Neue erfahren. Zum Beispiel, daß Sie auch in der größten Not wichtige Dokumente retten sollten, allen voran Ihre Geburtsurkunde und den Staatsbürgerschaftsnachweis. Denn Sie sollten sich nicht darauf verlassen, daß im Falle eines Falles Ihre persönliche Anwesenheit zum Nachweis Ihrer rechtmäßigen Existenz genügt. Ich weiß nicht, ob Sie nicht sogar lieber riskieren sollten, beim Versuch der Rettung Ihrer Geburtsurkunde aus Ihrem einstürzenden Haus zu sterben, als später ohne dazustehen. Und natürlich die Sache mit der Staatsbürgerschaft – Sie wollen doch nicht als unbeherrschter Mensch durch die Welt geistern?

Bei so viel Lob muß allerdings auch ein wenig Kritik erlaubt sein.

Leider ist diese Broschüre nicht ganz vollständig. Neben den genannten Themen werden zwar noch Energieausfall und alternative Heizungsarten, Campingkocher und die Hausapotheke angesprochen – letztere schon ohne Hinweise auf Mittel gegen Parasiten, unerwünschte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten – was aber gänzlich fehlt, ist das Thema Selbstverteidigung.

Nun wäre es wahrscheinlich etwas viel verlangt, an dieser Stelle die Empfehlung zu erwarten, jeder Haushalt solle zumindest eine Allerweltsflinte besitzen. Doch Informationen über die Beschaffenheit eines soliden Knüppels oder Tips zur Sicherung des Eigentums sind ohne Zweifel wichtiger, als an Müllbeutel und Pflasterstrips in verschiedenen Größen zu erinnern.

Aber ich will dem Zivilschutzverband nicht Unrecht tun. Zu guter Letzt hat er die wichtigste Verhaltensmaßregel doch noch erwähnt: „Selbst ist der Mann oder die Frau!“

Wie gut. Warum nur habe ich den Eindruck, daß der Zivilschutzverband so ganz und gar nicht daran glaubt?