Die Angelegenheit mit dem Punktekonto in Flensburg konnte für den Vielfahrer zu einem Problem werden. Wer mehr fährt, läuft öfter Gefahr, eine der kommunalen Gelddruckmaschinen am Rand der sechsspurigen Strasse in Form eines Opel Astra Kombi mit rotem Blitz in die Radarfalle zu tappen, weil er versehentlich mit 71 km/h in der geschlossenen Ortschaft unterwegs ist. Und das kostet nicht nur ein paar Euro, sondern eben auch leicht ein paar Punkte. Und die hatten oft Bestand. Und das kommt so:

Bisher verfielen Punkte in Flensburg nach zwei Jahren bei einer “Ordnungswidrigkeit” oder einer Straftat (Nötigung) nach fünf Jahren. Aber nur, wenn in der Zwischenzeit kein neuer Punkt dazu kommt. Dann beginnt die Frist von neuem. Und damit ist jetzt Schluss. Nun sollen die Punkte nach Fristablauf verfallen, auch wenn neue dazu kommen. Das trübt der ein oder anderen Fahrschule das Geschäft, in die  der deutsche Handlungsreisende gegen einen entsprechenden Ablass-Obulus in einem Nachschulungsseminar den ein oder anderen Punkt vernichten konnte.

Und auch den Freunden von Stasi-TV auf VOX gehen die Protagonisten aus. Verzweifelte Menschen, die schon aus berufliche Gründen auf ihr Auto angewiesen waren, seit Jahrzehnten Hunderttausende von Kilometern unfallfrei abgestrampelt haben aber versehentlich in der 120er Zone mit 150 dahin glitten, müssen in Zukunft nicht mehr wegen der Punktekumulation um den Lappen fürchten, weil ihnen das Mißgeschick, dabei erwischt zu werden, alle drei Jahre einmal geschah.

Seit ich Auto fahre, haben sich die Autobahnabschnitte mit Speed-Limit vervielfacht. 1970 wurde überhaupt erst Tempo 100 auf Landstraßen zwingend vorgeschrieben. Und in vielen Fällen ist die Tempo 30 Zone eine unheilige Erfindung zur Steigerung der Staatseinnahmen ohne jeden Wert.

Dass eine solche Reform, die letztlich die Vielfahrer fairer behandelt als bisher, noch von dieser Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde, hätte ich nicht gedacht. Daran sollte sich Herr Rösler mal ein Bild machen. Stattdessen spricht der Abgeordnete Lindner im Bundestag von Industrie- und Technologiepolitik und lässt sich von Hubertus Heil (SPD) für seine interventionistischen Vorschläge beklatschen. Nachtigall ick hör Dir trapsen.