Im Großen und Ganzen läuft das Leben gerade nicht schlecht. Gut, das gilt nicht für die Entscheidungen und Anmaßungen der Politik und allenfalls mit starken Einschränkungen für das Wetter. Aber was ist das schon, verglichen mit der wichtigsten Nebensache der Welt? Am vorvergangenen Wochenende endete die Winterpause der Fußballbundesliga. Endlich! Alle tatsächlichen und Möchtegernexperten können die Welt wieder mit ihrem (vermeintlichen) Wissen beglücken und dem Ottonormalzuschauer erklären, was er von diesem oder jenem Ereignis zu halten hat.

Der Sieg von Borussia Mönchengladbach im Auftaktspiel gegen Bayern München war beispielsweise etwas Gutes. Nicht unbedingt, weil das Spiel sehenswert war und die Tabellensituation spannend bleibt. Sondern weil trotz der erfolgreichen Hinrunde Gladbach nach bestenfalls mittelmäßigen Ergebnissen in den letzten Jahrzehnten und dem Beinahe-Abstieg in der vergangenen Saison als Underdog gilt. Und wenn der Underdog gewinnt, dann ist das gut.

Nichtsdestotrotz hat sich Fußballdeutschland inzwischen mit der konstanten Stärke der Bayern abgefunden. Daher war niemand ernstlich enttäuscht, als Bayern am zweiten Rückrundenspieltag gegen den VfL Wolfsburg gewann. Insbesondere, weil die beiden Vereine mit unterschiedlichem Maß gemessen werden.

Der VfL muß, das scheinen mir die als Sportjournalisten verkleideten Schwiegersöhne zu suggerieren, ein etwas zweifelhafter Verein sein. So akzeptiert er regelmäßig Zahlungen eines Konzerns in beträchtlicher Höhe. Daß das in der Regel verwerflich ist (warum Bayer Leverkusen die Ausnahme ist, hat mir die Sportberichterstattung leider noch nicht näher gebracht), ist spätestens seit dem Erfolg von Dietmar Hopps Engagement in Hoffenheim bekannt. Andere Vereine haben schließlich auch ordentliche Sponsoren. Der FC Schalke 04 zum Beispiel: gerade bei diesen Temperaturen können wir den Philantropen von Gazprom nicht dankbar genug sein.

Doch wer nicht auf die weisen Sportjournalisten und ihre Alibikollegin hören will, der bekommt ihre Verachtung zu spüren. Felix Magath sei auf europaweite Shoppingtour gegangen, so hört und liest man allerorten. In der gerade abgelaufenen Transferphase hat er für rund 30 Millionen Euro Ablöse acht neue Spieler verpflichtet. Die Überzeugung der Journalisten, daß es sich bei dem Trainer und Manager eines zweifelhaften Fußballvereins mit großer Wahrscheinlichkeit um eine zweifelhafte Person handeln muß, ist wenig überraschend. Aber was an einer europaweiten Shoppingtour so verkehrt sein soll, verstehe ich nicht.

Der Trainer/ Manager ist mit seinem Team nicht zufrieden und sucht gezielt nach personeller Verstärkung. So weit, so normal. Ist der Preis der neuen Spieler der Stein des Anstoßes? Diese Maßnahme kostet rund 30 Millionen Euro. Viel Geld, zweifelsohne, aber auch nicht ungewöhnlich viel. Für die Verpflichtung von Mario Gomez zahlte der FC Bayern München einen ähnlichen Betrag. Hat Magath etwa zu wenig bezahlt? Das dürfte in einem Land, in dem Schnäppchenführer eine akzeptierte Lektüre darstellen, doch eher ein Grund für Bewunderung sein.

Nur, weil ich viele Sportjournalisten nicht sehr schätze, möchte ich ihnen aber noch kein dumpfes Ressentiment gegen Erfolg, Geld und Leistungsorientierung unterstellen. Profifußball ist ohne diese Faktoren nicht vorstellbar, so viel dürften auch die weniger versierten unter ihnen verstanden haben. Daß man selbst in der Kreisliga spielt, um zu gewinnen, sei hier nur nebenbei bemerkt.

So unglaublich es scheint, mir bleibt nur der Schluß, daß unsere Sportjournalisten europafeindlich sind. Obwohl – nein, das kann und darf nicht sein. Dann doch lieber das Ressentiment gegen Erfolg, Geld, Leistung. Wie gut für die deutschen Schwiegersöhne und ihre Kinder, daß es ein Nachwuchsspieler des VfL Wolfsburg war, der den Siegtreffer gegen Köln erzielte. Das Hoch auf die lokalen Produkte wird kaum als nationalistisch wahrgenommen und läßt sich sehr gut als menschlich wertvoller Antikapitalismus verkaufen.