Wenn der Unispiegel beim Thema staatliche Förderung von Studenten  streng „Luxussorgen“ diagnostiziert, dann lässt das aufhorchen. Die Akademiker-BILD hat einen Blick nach Dänemark getan, und dort gar unerhörtes entdeckt: Sofie Viborg Jensen, die wie jeder studierende Däne 700 Euro im Monat vom Staat erhält, hat sich in einer Zeitungskolumne darüber beschwert, dass ihr das nicht genug ist. Ihr fehlen die „Kleinigkeiten“, wie das „Bier am Wochenende oder einfach so und ohne Überlegen eine Latte bestellen“. Arbeiten gehen will sie nicht, dafür ist ihr Studium der Sozialwissenschaften zu „zeitintensiv“. 

Verzogenes Gör, wenn ihr das geschenkte Geld nicht reicht, dann soll sie eben einen Nebenjob annehmen, so der Tenor des Artikels und der meisten Leserkommentare. Das ist natürlich richtig. Trotzdem schade, dass anders als bei Jugendgewalt und Terrorismus eine Frage unterbleibt, die unsere Qualitätjournalisten sonst so oft umtreibt: Ist nicht irgendwo  auch die Gesellschaft schuld?

Denn das ist sie hier tatsächlich. Was kann man denn von einer jungen Frau anderes erwarten, die in einem Land aufgewachsen ist wo Papa Wohlfahrtsstaat mit eiserner Faust von oben nach unten umverteilt und die so erzwungene Gleichheit  als “Gerechtigkeit” gilt? Für Sofie ist es eine Selbstverständlichkeit, vom Geld andere Leute zu leben, darunter auch von Menschen, die nicht das Privileg eine Universitätsstudiums genossen haben und jeden Tag von früh bis spät arbeiten müssen um die Steuern zu erwirtschaften, die der jungen Dame ein Studentendasein ohne Nebenjobs ermöglichen.

Die egalitäre Gleichmacherei im Sozialparadies Dänemark erstickt Eigeninitiative und Eigenverantwortung. Und so kommt es, dass Studentinnen mit Geldproblemen nicht etwa im Cafe um die Ecke nachfragen, ob noch eine Servicekraft gebraucht wird, sondern sich in selbigem von ausländischen Journalisten zu ihrer prekären wirtschaftliche Lage interviewen lassen. Den Latte Macchiato bezahlt dann gefälligst der Steuerzahler.

Das überraschendste am Unispiegel-Artikel sind allerdings die empörten Leserkommentare. In Deutschland sind die Verhältnisse schließlich kaum besser. An den Unis trifft man in erster Linie Akademikerkinder, die sich ihr kostenloses Studium von der Gemeinschaft bezahlen lassen, obwohl Mama und Papa durchaus in der Lage wären Gebühren zu berappen. In den USA, wo ein Universitätsbesuch nicht selten ein Vermögen kostet, sind die Klassenschranken geringer ausgeprägt, denn dort setzt man auf Leistung durch ein großzügiges Stipendienwesen. Und so lange auf SPON Studentenfunktionäre gefeiert werden, die sich nicht entblöden einen Hochschulbesuch auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung als „Menschenrecht“ zu deklarieren, braucht man nicht mit dem Finger auf die Sofies dieser Welt zu zeigen.