Rudi Assauer leidet unter Demenz. Wie seine Mutter und sein Bruder hat ihn Alzheimer befallen. Für ihn ist das eine Tragödie. Für Fußball-Deutschland ist es schade und sicherlich auch berichtenswert. Unwürdig aber ist der Umgang mit seiner Causa, so wie das öffentlich-rechtliche ZDF  sein Buch und die weiterführende Berichterstattung im Fernsehprogramm promotet. Da geht es nicht um Aufklärung oder aufrechtes Mitleid. Sondern um Quote und Auflage. Billiger Kommerz, sonst nichts.

Auch wenn während seiner Zeit als Manager kein deutscher Meistertitel eingefahren wurde, hat Assauer sich nicht nur um den im Ruhrgebiet heißgeliebten Fußballverein Schalke 04 große Verdienste erworben. Man wurde mehrfach Pokalsieger und konnte sogar einmal Europaweit gewinnen. Den ersten nationalen Meistertitel verpasste man unter dem prolligen Patriarchen mit der dicken Zigarre nur knapp.

Auch kommerziell war Assauer für den Verein ein Erfolg. Im schon nicht mehr strukturschwachen sondern maroden Gelsenkirchen entstand dank ihm ein momunentales Fußballstadion “Auf Schalke”. Eine Erfolgsbilanz, die der Macho gemeinsam mit seiner damaligen Freundin Simone Thomalla auch in TV-Spots für die Sauerländer Biermarke “Veltins” privat ausschlachtete. Sie waren wegen der Selbstironie und des Humors ein Erfolg.

Nun hat der Zigarrenraucher  ein Buch schreiben lassen, zu dem er vermutlich wenig beigetragen hat. Eine Fernseh-Reportage wird nächste Woche die Langzeit-Beobachtung den Verfall episch im ZDF aufgreifen. Zeitgleich zur Erscheinung des Buches ist er dann im erweiterten Frühstücks-Fernsehen beim – richtig – ZDF zu Gast.

Der verkauften Auflage und der Quote wird es keinen Abbruch tun, dass das ZDF Assauers Schicksal in jeder aktuellen Sendung mit der immer gleichen Kurzfassung der 37-Grad Sendung von nächster Woche breittrat.

Die Tochter, die den Mann aufopferungsvoll pflegt und die Noch-Frau, die der Belastung nicht gewachsen gewesen sein dürfte, steigern ihren Bekanntheitsgrad und dürfen sich in Zukunft auf Talk-Show-Auftritte folgen, wenn Assauer nicht mehr zurechenbar ist. Und ob Assauer selbst noch in den Genuss der beträchtlichen Honorare kommt, sei ihm zu gönnen. Wahrscheinlich ist das wohl nicht. Im schlimmsten Fall kann man das Geld für seine Pflege aufwenden. Tatsächlich dürfte sein Vermögen inklusive Kranken- und Pflegeversicherung auch so gereicht haben.

Ich finde die Art und Weise, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen Assauers noch  selbst erlebte Tragödie ausschlachtet, ekelerregend. Vielleicht verschlug es dem Moderator des Heute-Journals deshalb die Sprache, als er den besagten Film, der vorher bei Hallo Deutschland, Leute Heute und im Sportblock der 19-Uhr Heute Sendung gelaufen war, ein drittes Mal als Aufmacher präsentierte. Als Feigenblatt fungierte ein kurzes Studio-Gespräch mit einem Alzheimer-Experten, den man auch im Film hätte interviewen müssen, der strenggenommen nichts in einer Nachrichtensendung zu suchen hätte, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Eigenversorgung nicht schamlos zur Promotion seines “Grundversorgung” titulierten Boulevard-Programmes und des Internet-Auftritts mißbrauchen würde. Denn mehr Infos gibt es natürlich – man ahnt es schon – unter heute.de .

Es wird Zeit für eine Neudefinition des Begriffs Grundversorgung, der zu einer Zeit vom Bundesverfassungsgerichts definiert wurde, als die privaten TV-Sender mangels Verbreitung des Kabel-Netzes noch Verluste schrieben und deshalb hauptsächlich Sascha – ich war jung und brauchte das Geld  – Hehn als Hauptdarsteller in “Auf der Alm da gibt´s koi Sünd”  in angedeuter Kopulation mit Ingrid Steeger oder Elisabeth Volkmann seligen Angedenkens zeigten.

Doch beim zweiten sieht man nicht besser, weil man die Hand vor´s und nicht in´s Auge legt.  Und die eigene Kommerzialisierung scheinbar nicht erkennt.