Niedrigste Euro-Notierung seit 2010 titelt SPON alarmistisch und verkennt dabei die ökonomische Realität. Denn der Big-Mac-Index des Economist beweist nur eins: Auch 2010 war der Bic Mac mit rund 30% überbewertet. Würde er also um weitere 30% fallen, wäre das ein Segen für die europäische Export-Industrie. 

Auf den ersten Blick klingt es absurd, den Wert einer Währung anhand eines amerikanischen Fast-Food-Produkts zu messen. Auf den zweiten Blick aber nicht. Denn das ist überall gleich, wird aber vollständig von lokalen Arbeitskräften mit lokalen Zutaten hergestellt. Und  so erweist sich, dass der EURO bei seiner Einführung als Buchgeld schon 1999 völlig überbewertet war. Und das gilt heute erst recht. Für 2011 weist der Index eine Überbewertung von 21% aus. 2010 waren es übrigens noch 29%.

Damit sind wir im Vorjahr übrigens auf dem Level des Vorkrisenjahres 2007, als die Abweichung noch 22% betrug.

Der Index funktioniert wie folgt. Der Big-Mac-Preis in der Landeswährung wird zum jeweiligen Wechselkurs in Dollar umgerechnet und die Preisdifferenz wird ausgerechnet.

In der Eurozone kostete der BicMac 2007 übrigens 3,06 Euro. Das waren in Dollar gerechnet 4,07 €. In den USA kostete er aber 3,41 $, also 22% weniger. 2009 war die Überbewertung bei 24%.  Im vom Spiegel beschrieenen Jahr 2010 lag die Überbewertung des Euro sogar bei 29%.

Um ein ausgeglichenes Verhältnis zum Dollar zu erreichen, müsste der Euro also noch um rund 20% sinken. Das wäre ökonomisch auch sinnvoll. Denn für Touristen würde so der Urlaub ausserhalb des Euro-Raums weniger attraktiv, wovon die notleidenden Griechen, Portugiesen, Italiener und Spanier profitieren würden. Auch für Touristen aus Ländern ausserhalb des Euro-Währungsraums würden die Kosten deutlich niedriger.

Und die europäische Industrie hätte auch was davon: Ihre Exporte wären bei einer entsprechenden Abwertung um rund 20% billiger, solange sie in den Nicht-Euro-Raum wandern.

Anders gesagt: Die Spiegel-Schlagzeile ist falsch: Nichts wäre in der jetzigen Situation besser als ein sinkender Euro. Was uns zum wiederholten Mal zu der Frage bringt, warum die Qualitätsjournalisten mal wieder so einen Unsinn beschreien.