Wenn bei Christian Wulff jeder Buchstabe auf die Goldwaage gelegt wird und im ZDF-Wochenmagazin die netten Karrikaturen und Fake-Anzeigen, Buchtitel und Kommentare genüsslich vom “Online”-Redakteur vorgeführt werden, ist es schon bemerkenswert, dass er die berechtigte Häme, die ZDF-Studioleiterin Bettina Schausten für ihre Frage- und Antworttechnik nicht erwähnte. Ein weiteres Beispiel dafür, dass der öffentliche Rechtliche Rundfunk nur ein Unmaß kennt: Sein eigenes.

Schausten hat sich von Wulff in die Falle locken lassen, der gelegentlich im Urlaub bei Freunden des Hannover Establishments nassauerte. Denen tat das nicht weh, die Ferienresidenzen, die Wulffs Backstein-Einfamilienhaus in der Quadratmeter- und Zimmerzahl ohnehin um ein vielfaches überflügelten, standen ohnehin leer, weil man gerade auf einem anderen Kontinent weilte. Oder sie waren eben groß genug, so dass das ohnehin bezahlte Personal einfach einen größeren Kochtopf nehmen konnte.

Auf die Frage, warum  er den Maschmeyers und Konsorten, denen die Kohle aus den Ohren quillt, nicht auch noch 150,00 € pro Nacht angeboten habe, fragte er die verduzte Starjournalistin, ob sie Geld von ihren Freunden nehme, wahrheitswidrig mit ja. Eine blanke Lüge, wie wir mittlerweile dank der FAZ erfahren.  Und die wahrscheinlich übernächste ZDF-Intendantin wollte sich so rausreden:

Nein, natürlich nehme ich kein Übernachtungsgeld für meine Gästematratze, darum ging es auch nicht. Es ging im Gesprächskontext darum, ob man als Ministerpräsident wirklich kostenlosen Urlaub bei Millionärsfreunden annehmen darf. Der Präsident versuchte, das Thema durch seine Gegenfrage auf eine rein privat-menschliche Ebene zu verschieben, nach dem Motto „Freunde besuchen Freunde“. Mir hingegen ging es darum, deutlich zu machen, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch bei Freunden einen finanziellen Beitrag leisten kann, was ich in der Vergangenheit in der Tat auch selbst schon getan habe.

Dann hätte sie das so auch sagen müssen: Herr Präsident, hier geht es nicht um die Freunde, die ich regelmässig in meiner 4-Zimmer-Dachterassen-Wohnung im Prenzelberg beherberge, sondern um Ihren Urlaubsaufenthalt..

Stattdessen hat sie einen vermeintlich moralischen Standard formuliert, den sie selbst nicht erfüllt. Das ist exakt das, was in der öffentlichen Meinung gemeinhien Wulff vorgeworfen wird. Was er getan habe, sei ja gar nicht so schlimm, dass er es falsch in der Öffentlichkeit darstellt, schon.

Das wirft mal wider ein Schlaglicht auf den öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus, der für sich in Anspruch nimmt, was er Anderen nicht gönnt. Peinlich.