Mit dem Inkrafttreten eines neuen Grundgesetzes wurde in  Ungarn vor einigen Tagen die Republik abgeschafft. Außerdem hat man die Kompetenzen der Judikative zurechtgestutzt. Die „Bedeutung des Christentums für die Nation“ und der Schutz der Ehe – nur der zwischen Mann und Frau versteht sich – erhalten Verfassungsrang. Um das Ganze abzurunden trieft die Präambel nur so vor nationalem Pathos und geschichtsklitterndem Patriotenkitsch. Auch für das Wahlgesetz stehen ein paar Änderungen ins Haus, die Dank kluger Manipulation der Stimmbezirke und einem Umbau der Wahlkommission dafür sorgen werden, dass den Ungarn ihr „Viktator“ Orban samt seiner Fidesz-Partei noch lange erhalten bleibt.

Demokratisch gesinnte Menschen mögen sich deswegen sorgen. Die heroischen Kreuzritter wider die Islamisierung Europas hingegen, die auf Politically Incorrect ihren braunen Dummfug ins Weltnetz kippen, finden diese beunruhigenden Entwicklungen uneingeschränkt gut. Nun ist es sicherlich wenig überraschend, dass deutsche Rechtspopulisten ihren ungarischen Brüdern im Geiste die Stange halten. Ich möchte an dieser Stelle aber daran erinnern, dass die PI-Fraktion gerne vorgibt im Namen der Aufklärung gegen finstre Mächte des Mittelalters anzutreten. Zudem gefällt man sich dort in der Rolle des Dissidenten, dem vom rot-grünen Mainstream mittels undemokratischer Methoden der Mund verboten wird. Da entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn man sich als Cheerleader für eine homophobe, christentümelnde Regierung betätigt, die systematisch demokratische Kontrollmechanismen ausschaltet.

Schon die neuen Mediengesetze, die seit dem Sommer eine Verpflichtung zu einer nicht näher spezifizierten „ausgewogenen Berichterstattung“ vorsehen und deren Einhaltung von einer Kommission überwacht wird, in der nur Fidesz-Leute sitzen, stießen bei PI auf rege Zustimmung. Im Klartext:  Dieselben Leute, die sonst heiße Tränen über die „gleichgeschaltete“ deutsche Presse vergießen, bejubeln die Einschränkung der Pressefreiheit in einem anderen europäischen Staat.

Und deswegen schreibe ich es hier noch einmal: Wer sich als Liberaler begreift, der sollte sich nicht mit den Feinden der Freiheit ins Bett legen. Oder sie verlinken.