Der Bundespräsident hat reiche Freunde. Und die tun ihm gelegentlich einen Gefallen. In diesem Fall hat die Gattin eines Schmuckhändlers dem damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff 500.000 € zu einem marktüblichen Zins von 4% geliehen, damit der frisch Geschiedene sich mit seiner noch frischer Angetrauten ein ziemlich spießiges Eigenheim in Großburgwedel kaufen konnte. Weder die Gattin noch der Schmuckhändler hatten davon einen Vorteil außer der Tatsache zu erwarten, gelegentlich wie andere Hofschranzen auch auf den überflüssigen Auslandsreisen des MPs  auf eigene Kosten mit zu reisen. Sieht man mal davon ab, dass Anfang 2008 4% Zinsen eine ziemlich gute Rendite war.

Natürlich kann man sich darüber Gedanken machen, ob Wulff die Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag nach Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmer hätte ausführlicher beantworten können und den eingeräumten Kredit erwähnen hätte können. Aber rechtfertigt das die morgendliche Befeuerung durch die Moraliker aus der Leitartikelfraktion, die am Nachmittag mit der Fotokopie des Presseausweises einen ordentlichen Rabatt beim Einkauf der Weihnachtsgeschenke erzielen und sich anschließend von irgend einem Landesgruppenvorsitzenden zum Imbiss mit Wein und Gesang zum Hintergrundgespräch in irgend eine Landesvertretung einladen lassen. Gerade kam heraus, dass die Créme de la Créme des investigativen Journalismus – das  Netzwerk Recherche – sich seinen Sektempfang von der Bundeszentrale für politische Bildung in den mietfreien Räumen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bezahlen lässt.

Dabei haben schon andere Bundespräsidenten ganz andere Skandale überlebt, die sie sich als Ministerpräsident eingebrockt hatten. Es sind wohl nur üble Gerüchte, dass die West LB seinerzeit in die Schieflage geriet, weil sie zuviele Learjets für das Kabinett des Ministerpräsidenten Johannes Rau charterte.

Die Freunde von der kommentierenden Zunft sollten die Latte nicht nur so niedrig hängen, dass sie auch noch drüber kommen. Sie sollten sich überlegen, wer sich das noch antut, Politiker zu werden, wenn er wegen solchen Petitessen geteert und gefedert durch´s Dorf gejagt wird.