Je näher das Ende des Mitgliederentscheides wird, desto merkwürdiger wird die Parteispitze. Jetzt sorgt sich Jung-Gesundheitsminister Bahr in der WELT um seine Pfründe und sieht bei Annahme des Mitgliederentscheides die Koalition in Gefahr. Viele Unterstützer Frank Schäfflers wollten eine andere FDP. Eins ist aber sicher: Diese FDP will so auch keiner mehr.

Nichts ist symptomatischer für die “Jugend forscht” Truppe vom Parteivorstand, dass man kaum in der Regierung angekommen, begann ein neues Programm zu formulieren, ohne die alten Wahlversprechen abzuarbeiten.

Längst geht es in der öffentlichen Debatte nicht mehr das tägliche Geplänkel. Der Rosa-Luxemburg-Verschnitt Sara Wagenknecht kann ihre Scheinillusion vom “Sozialismus Light” gar in der FAZ verbreiten, Schirrmacher gerät im gleichen Blatt in völlige Verwirrung und kein einziger FDP-Politiker meldet sich mit einem Grundsatzartikel zugunsten von Marktwirtschaft und Wettbewerb zu Wort.

Bahr teilt kräftig aus und meint Jörg Behlen, der seine Facebook-Freunde regelmässig mit sarkastischen Kommentare versorgt und die humoristische Auffassungsgabe der Funktionärskaste im Angesicht des eigenen Untergangs gnadenlos überfordert. Dass deren Kenntnis internationaler Institutionen nicht allzu weit ausgeprägt ist, fällt übel dabei auf, wenn sie den Unterschied zwischen OZE und OECD nicht kennen, bei der Behlen “Wahlbeobachter” anfordern wollte.

Und der NRW-Parteivorsitzende schmäht den auch hier üblichen Begriff von der EUdSSR statt in die sinnvolle Diskussion einzutreten, welches Europa wir wollen. Ein freies Europa der Rechtsstaatlichkeit, der Diskriminierungsfreiheit und des Wettbewerbs zwischen Bürgern, Unternehmern, Gebietskörperschaften und Staaten, in dem das Subsidaritätsprinzip oberstes Gesetz ist und Verträge und Rechtsvorschriften eingehalten werden.

Oder ein Europa mit 27 Kommissaren, die – um irgend etwas zu tun zu haben – den Kontinent mit 20 Jahres-Plänen zum Klima-Schutz überziehen, ohne von dem Bürger so genannt zu werden. Ein Parlament, das zwar so heißt aber das nicht ist, dessen bewegendste Aktion die regelmässigen Reisen zwischen den beiden Standorten Brüssel und Straßburg sind, was offensichtlich wenigstens in beiden Städten nach gängiger Berichterstattung der Rotlichtszene zu ordentlichen Umsätzen verhelfen soll.

Ein Europa, das sich anmaßt, die Glühbirne zu verbieten und entsprechende Verstöße sanktioniert, Und ein Europa in dem die versammelte Schar der “Staatschefs” fortgesetzten Rechtsbruch etwa bei der Bail Out Klausel begeht. Und in dem eine Zentralbank ebenfalls gegen das Verbot der direkten Staatsfinanzierung verstößt.

Die politische Kaste weltweit ist eine Ansammlung von Angsthasen, die sich nach einem kurz gewährten Blick in den Abgrund von den Ackermännern dieser Welt erpressen lassen und ohne Sinn und Verstand alle Prinzipien ignorieren, die genau für solche Krisensituationen geschaffen wurden, in denen wir uns heute befinden.

In die Kaste gehört auch die Bahrsche Vision vom Untergang der Koalition, mit denen die Rösler-Lindner-Bahr Truppe die Parteibasis verunsichern will. Und die dabei vollständig übersieht, dass sie es ist, die in Tateinheit mit dem Bundesaußenminister ein sauberes 15% Wahlergebnis vergeigt hat. Die Partei hat zwar nur halb so viel Stimmanteil wie die Union ist dafür aber doppelt so wenig sichtbar.

Bahr behauptet, die Schäffler – Unterstützer wollten eine andere FDP. Da hat er mal Recht. Denn so eine wie die jetzige will offensichtlich keiner. Eine Partei, die das sozialdemokratische Regime beendet, wurde gewählt. Eine die es verteidigt, ist an der Macht.