Was passiert, wenn ein simpel gestrickter Kapitalismuskritiker auf Forschungsergebnisse stößt, die seine kindischen Vorurteile über „Nieten in Nadelstreifen“ scheinbar bestätigen, kann man aktuell auf SPON nachlesen. Dort findet sich das Interview eines gewissen Jochen Leffers mit zwei Nachwuchsforschern, die untersucht haben welche negativen Eigenschaften bei Unternehmensgründern besonders häufig vorkommen.

„Leistungsbereitschaft und Durchsetzungsstärke, Flexibilität und Kreativität“ zeichnen Unternehmensgründer aus, aber solche Persönlichkeiten können auch dunkle Seiten haben, wie ein übersteigertes Selbstwertgefühl, Empathielosigkeit oder manipulatives Verhalten. Das ist nicht unbedingt überraschend. Studien zu anderen Berufsgruppen, die sich durch hohen Leistungsdruck oder großes Risiko auszeichnen, wie Elitesoldaten, Unfallchirurgen oder Leistungssportler, würden vermutlich ähnliches zu Tage fördern. Das Problem ist daher nicht die Studie der zwei jungen Psychologen, sondern was auf SPON daraus gemacht wird.

Die Überschrift „Mythos Jungunternehmer – arrogant, machthungrig, skrupellos“ lässt erahnen, wohin die Reise geht.

 Wer ein Unternehmen startet, wird als Halbgott verehrt. Zu Unrecht?

frohlockt Leffers um gleich mit einer grandiosen Einstiegsfrage loszulegen:

Geben Sie mir einen Rat: Morgen will ich reich und berühmt sein. Mein Ego hat eine eigene Vorwahl, ich zaudere nie, bin siegesgewiss, hart zu mir selbst und gemein gegen andere. Soll ich unter die Unternehmer gehen?

Die bedauernswerten Nachwuchsforscher machen sogleich klar, dass dem natürlich nicht so ist – nutzen wird es nichts. Sodann kommen die Psychologen auf drei Persönlichkeitsprofile zu sprechen, die ihnen unter Gründern überdurchschnittlich häufig begegnet sind: Narzissten, Machtmenschen und subklinischen Psychopathen. So sehr sie sich dabei auch um eine sachliche und möglichste neutrale Beschreibung bemühen,  Leffers hat Blut geleckt

Das klingt wie eine schockierende Diagnose, mehr nach Hannibal Lecter als nach Firmengründern. Solche üblen Charaktere sind Ihnen wirklich begegnet?

Selbstredend verneinen die Forscher das. Die von ihnen genannten Persönlichkeitausprägungen sind in ihrer Extremform auch eher selten, in der Realität begegnen sie einem meist in abgeschwächten Varianten. Ansonsten bleibt festzuhalten, dass kein Psychologe Patienten, die von den genannten Störungen betroffen sind, auf den Begriff „übler Charakter“ reduzieren würde. Die Gleichsetzung von psychischen Problemen mit charakterlichen Defiziten, wie Leffers sie betreibt, lässt eher auf intellektuelle Defizite seinerseits schließen.

Und die sind offenbar enorm, denn egal wie oft seine Interviewpartner sich um Differenzierung bemühen, der antikapitalistische Qualitätsjournalist haut einfach immer weiter in dieselbe Kerbe.

„Sind nicht die Führungsetagen der Wirtschaft voll von manipulativen Menschen mit großer Bugwelle“ fragt er reichlich manipulativ um gleich darauf seine ganz eigenen psychologischen Erkenntnisse zum Thema Motivation von Unternehmensgründern kund zu tun:

 Manchen BWL-Koffermännchen geht’s allein um Geld. Andere Jung-Chefs wollen Gutes bewirken und erst in zweiter Linie davon leben. Um ein Spendenportal oder eine Kita zu eröffnen, muss ein Sozialunternehmer vielleicht mit Glaubwürdigkeit punkten, statt nur flink Investoren und Kreditgeber einzuseifen…

Platter wurde die simplizistische Einteilung der Menschheit in raffgierige Bösewichter und selbstlose Lichtgestalten wohl selten auf den Punkt gebracht. Viele Menschen bewirken beruflich Gutes – Krankenpfleger, Sozialarbeiter, Feuerwehrmänner – aber keiner von ihnen will „nur in zweiter Linie“ die Miete bezahlen und den Kühlschrank füllen können.  Wer nur noch den als tugendhaft gelten lässt, der seinen Lebensunterhalt hinter „das Gute“ zurückstellt, der soll in Kloster gehen, anstatt die Welt mit schlechtem Journalismus zu belästigen. Tatsächlich tut ein narzisstischer, manipulativer Gründer, der mit seinem Unternehmen Arbeitsplätze schafft und Steuereinnahmen generiert, an jedem beliebigen Tag unermesslich mehr für das Gemeinwohl, als sämtliche Qualitätsjournalisten von SPON in einem Jahr.