Die Gespenster von Finanzmarktregulierung und Transaktionssteuer geistern durch Europa. Ersteres suggeriert, dass der Staat über mehr Wissen verfügen würde als alle Marktteilnehmer zusammen. Was natürlich vollständiger Quatsch ist. Und letzteres soll Geld in die Staatskasse spülen. Tut es aber auch nicht. Weil Regulierung und Steuer ein einziges Standortförderprogramm sind. Für Singapur und Hongkong. Nicht für Frankfurt oder London. Und weil der britische Premier das weiss, verhindert er es. Ihm sei gedankt.

Heute ist der Finanzmarktplatz virtuell. Der Gerichtsstand einer Transaktion ist in Sekundenschnelle veränderbar. Wenn man das verhindern will, braucht man weltweit einheitliche Standards oder Kapitalverkehrskontrollen. Letztere sind in einer eng verflochtenen Weltwirtschaft nicht mehr durchführbar.

Für die Marktteilnehmer sind deshalb drei Parameter entscheidend: Dass die jeweilige Transaktion durchgeführt werden darf, dass das Eigentum rechtlich garantiert ist und die Höhe der Kosten der Transaktion ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Schon heute sind Finanzplätze wie Tokyo und Singapur hoch überlegen und warum soll man nicht im Neuseeländischen Wellington einen solchen Marktplatz entwickelt, wenn man eine Chance sieht.

Der britische Premier will nicht, dass die Finanzdienstleister aus London verschwinden sondern weiter dort ihre Steuern zahlen. Deshalb wird er sich durchsetzen. Und so dem Finanzplatz Frankfurt den Arsch retten.

Nicht dass man mich falsch versteht. Ich bin durchaus für eine Finanzmarktordnung mit festen negativen Regeln. Ob man Leerverkäufe zulässt oder Kreditversicherungen ohne entsprechenden Kredit handeln darf, das wird die Welt nicht ändern. Und das ein oder andere schlichte Verbot kann durchaus sinnvoll sein.

Aber Regeln sind etwas anderes als Regulierung: Die impliziert staatliche Intervention überfordert den Staat, weil er nicht mehr weiß wie die Summe der Marktteilnehmer. Und deren Wissen ist nicht aggregierbar, es ist nicht abstrakt sondern konkret. Weil sie sich nicht – wie in der ökonomischen Theorie vorausgesetzt – vollständig rational verhalten, wird der Versuch staatlicher Intervention zum Himmelfahrtskommando.

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