Um Heribert Prantl musste man sich bereits im vergangenen Frühjahr Sorgen machen, als er unter dem Eindruck einer AKW-Havarie am anderen Ende der Welt einen Nervenzusammenbruch erlitt und mit akuten religiösen Wahnvorstellungen in die SZ-Redaktion eingeliefert wurde. Jetzt hat sich sein Zustand offenbar verschlechtert. Anders lässt sich das wirre Konglomerat aus Bibelgeschichten und antikapitalistischen Parolen nicht erklären, das gestern im Kampfblatt der rot-grünen Bourgeoisie veröffentlicht wurde.

Bei dem manischen Geschreibsel handelt es sich um Auszüge aus Prantls neuem Buch „Wir sind viele“ (sic!). Das Werk, das laut Verfasser Ausdruck seiner „Christenpflicht“ ist, klagt die Finanzmärkte an und sieht in den Occupy-Hipstern eine „Befreiungsbewegung“. So weit, so salonlinks, so langweilig möchte man meinen, doch Prantl legt eine Predigt hin, die in ihrem heiligen Zorn jeden Evangelikalen aus dem Bible Belt vor Neid erblassen lassen muss.

Sätze ohne ersichtlichen Sinn:

Gott liebt die Zornigen. Aber selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen – sagt die Bergpredigt. Aber die Sanftmütigen brauchen dazu die Zornigen, die das Erdreich verändern.

verbinden sich mit düsteren Horrorvisionen

 Jesus erlaubt es dem Besessenen, die unreinen Geister in eine Herde von Schweinen fahren zu lassen (also in die Tiere, deren Genuss Mose verboten hatte). Es ist ein furchtbares Ausagieren aller bisher verinnerlichten Aggression und Gewalt, die jetzt nach außen drängt und sich entlädt.

zu einem religionsseligen Bad Trip, der den Mutterkornvergiftungen unserer mittelalterlichen Vorfahren zur Ehre gereicht hätte.

Die unfrohe Botschaft des zornigen Propheten ist schnell umrissen: So wie der „Ungeist“  einst in eine israelitische Schweineherde fuhr, so bedroht heute ein „Freigeist“, der den „Turbo des Kapitalismus“ antreibt, die Menschheit. Von ihm sind vor allem die „Analysten“ besessen, an denen die Occupy-Bewegung nun einen “Exorzismus” vornehmen müsse, damit wieder „gute Geister“ auf der Erde herrschen.

Welcher Geist in Prantls Oberstübchen gefahren ist und dort den Endzeitpredigermodus eingeschaltet hat erfahren wir nicht, aber dafür lässt diese vulgärtheologische Amokbibelstunde erahnen, welche dämonischen Untiefen er in seinem reinen Christenherzen verbirgt. Neben den üblichen hohlen Linksphrasen über eine Wirtschaft die nicht mehr „dem Menschen dient“ und der mittlerweile allgegenwärtigen Verwechslung von Finanzmärkten mit Sozialämtern, die sich „um das Gemeinwohl“ kümmern sollen, beglückt uns Prantl mit langatmigen Ausführungen zur Tempelreinigung, bei der Jesus die geldgierigen Händler und Wechsler vor die Tür setzte und so prompt zum Ziel eines Mordkomplotts „listiger“ Schriftgelehrter wird. Das Ganze müffelt penetrant nach antijüdischen Klischees und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Bruder Heribert zu den Occupy-Jüngern hingezogen fühlt, die in ihrer heiligen Einfalt die ranzigen Verschwörungstheorien von der jüdischen Hochfinanz wiederbeleben und sich auch sonst nicht scheuen, mit Motiven der braunen „Kapitalismuskritik“ hausieren zu gehen.

Prantl wird das nicht anfechten, denn er ist überzeugt davon, seine Marschbefehle von allerhöchster Stelle zu erhalten:

Aber wenn Gott Mensch geworden ist, wie es die Weihnachtsgeschichte sagt, dann tut es gut, wenn dieser Mensch so menschlich reagiert – und damit auch den Zorn gegen den Finanzkapitalismus, der die Bürger gepackt hat, erhebt.

Hoffentlich haben seine Kollegen mittlerweile den sozialpsychiatrischen Dienst benachrichtigt.