Einer der größten Kritikpunkte an der westlichen Nahostpolitik ist das Kuscheln mit Diktatoren. Ok, diese Kritik ist eigentlich erst seit dem Beginn des angeblichen “Arabischen Frühlings” so richtig laut geworden, aber sie ist nicht unberechtigt. Nun unterliegen die üblichen Journalisten und Politiker dem Fehler, dass ein undemokratisches Regime oder eine undemokratische Partei dadurch demokratisch wird, dass sie gewählt wird. Wie richtig diese Behauptung ist, zeigt ein Blick auf die NSDAP, die formal völlig legal durch einen verfassungsgemäßen Vorgang an die Macht kam und als erstes die Überreste des Weimarer Verfassungsstaates beseitigte. Und jetzt ist es wieder so weit: Bei den Wahlen in Ägypten haben die jungsteinzeitlichen Muslimbrüder nach ersten Schätzungen 40% der Stimmen und die altsteinzeitlichen Salafisten mit dem völlig irren Namen “Partei des Lichts” satte 25% der Stimmen erreicht. Aber das ist nicht schlimm, beeilt sich die bekannte Nahost-Expertin Ulrike Putz auf Spiegel Online zu versichern.

Nein, der Westen solle sich lieber schon einmal an islamistische Regierungen “als Partner” gewöhnen. Frau Putz hat auch eine gute Erklärung für das Abstimmungsverhalten: “Die schlechten Erfahrungen mit der von Mubarak etablierten Kleptokratie trieb die Ägypter in Scharen in die Arme der Religiösen, die im Ruf stehen, nicht zu stehlen”. Die Ägypter und der Westen können also beruhigt sein, die Regierung der zukünftigen Islamischen Republik Ägypten wird niemanden bestehlen. Lediglich Schwule, Frauen und Ungläubige müssen sich warm anziehen, denn Perverse, Privateigentum und Apostaten können dann formalrechtlich gar nicht mehr beklaut werden, da sie sämtliche Rechte bereits verwirkt haben. Besonders schön: Für die Unterfütterung der “regt euch nicht auf”-These der Frau Putz muss ein anderer Diktator, der absolutistisch herrschende Emir von Katar auftreten.

“Wir sollten sie nicht fürchten, lasst uns mit ihnen zusammenarbeiten”, so Scheich Hamad gegenüber der “Financial Times”. Moderate Islamische Gruppen könnten dabei helfen, den Extremismus einzudämmen.

Gute Idee, die Eindämmung des Extremismus sollte den Extremisten überlassen werden. Ein Plan, der auch schon in Deutschland gut funktioniert hat. Da heißen und hießen die Eindämmer V-Männer.