Heute erhält der streitbare Künstler Bushido ein Bambi  – zusammen mit Thomas Gottschalk und Helmut Schmidt.  Ersterer wird für die Mallorca-Ausgabe von “Wetten, Dass?!” ausgezeichnet und letzterer dafür, dass er Helmut Schmidt ist. Keine Frage, der rappende Sohn eines tunesischen Einwanderers ist angekommen im Herzen der provinziellen deutschen Elite. Burda gerät angesichts des künftigen Preisträgers dann auch heftig ins Schwärmen:

“Er gilt als der erfolgreichste Rap-Musiker Deutschlands und ist ein hervorragendes Beispiel für gelungene Integration (…) Bushido setzt sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.”

Diese Sätze wird man bei Burda unter Umständen noch bereuen. Zwar juckt es einen der führenden deutschen Medienkonzerne herzlich wenig, dass Integrationswunder Bushido Juden hasst, Schwule vergasen will und Frauen laut eigener Aussage gerne fickt bis sie bluten, aber das ist auch in Ordnung so, schließlich ging der überflüssigste Preis der Medienlandschaft seit seiner Auslobung 1948 an auffallend viele Künstler mit NS-Vergangenheit. Da stört der Aggro-Rapper nicht wirklich. Doch wenn dieses Interview  publik wird, könnte es für den „polarisierenden“ (O-Ton Burda) Musiker eng werden:

Sarrazin und ich – wir sind Brüder im Geiste.

Wer geschickt die Moslem- und Migrationshintergrundkarte spielt, der darf sich in Deutschland viel erlauben, auch und gerade in tabuisierten Bereichen. Viele Autochtone sehen es offenbar ausgesprochen gerne, dass Frauenverachtung und Minderheitenbashing auf deutschen Boden endlich wieder preiswürdig sind. Vor allem Angehörigen der  bildungsbürgerlichen Eliten jagt es einen wohligen Schauer über den Rücken, wenn ungezähmte Ghettoboys ihrem urwüchsigen Rassismus und Sexismus freien Lauf lassen. Der gesamte Geschäftszweig der Palästinasolidarität lebt davon. Aber es gibt Grenzen. Sarrazin geht gar nicht, noch nicht mal bei Akademikerinnen mit türkischen Wurzeln. Da ist Schluss mit lustig und die Bionade-Bourgeoisie zeigt Zivilcourage, was man in diesen Kreisen durch das Einschalten des Staatsanwalts und das Verfassen von ein Stück weit wütenden Leitartikeln zu tun pflegt.

Trotz dieses Fauxpas sei den Kritikern der Preisverleihung gesagt: Der Gangstarapper mit den Rehaugen ist vielleicht nicht hellste Kerze im Leuchter, aber er gehört genauso zu Deutschland wie die Hamas-Anhänger von der Linkspartei oder der antisemitische Verschwörerdödel Jebsen, der im Namen des zwangsgebührenfinanzierten Staatsfunks der deutschen Jugend die Welt erklären darf. Bushido hat sogar Fans unter Rechtsradikalen. Burda lobt seinen „wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln“ demnach völlig zu recht.

Intellektuelle und moralische Minderleister aus allen dunklen Ecken der Gesellschaft  finden Dank seiner Musik zusammen, wenn das mal nicht genau die Integration ist, die das sozialstaatsverwahrloste Deutschland verdient hat.  Da passt es auch in Bild, dass Bushido die Nörgeleien an seiner Nominierung „erbärmlich“ findet, schließlich ist er kein 340-facher Kinderschänder – und das reicht ja wohl für einen Preis. Die Jury liegt mit ihrer Entscheidung also goldrichtig. Wer es fertig brachte, Tom Cruise für seinen „Mut“ zu ehren, weil er für eine horrende Gage einen Widerstandskämpfer mimte, der kann auch ein unterbelichtetes Großmaul dafür belobigen, das „Selbstverständnis vieler Deutscher mit Migrationshintergrund“ zu proklamieren. Unbestätigten Berichten zu Folge soll das Integrationsbambi 2012 übrigens an die ostdeutsche Kultband „Zillertaler Türkenjäger“ verliehen werden, die inhaltlich stark an den frühen Bushido erinnern und die  auf polarisierende Art und Weise das Selbstverständnis vieler Deutscher mit rassistischer Gedankenwelt proklamieren.

Aber sei`s drum, heute ist Bushidos großer Tag. Herzlichen Glückwunsch zum Bambi und fick Deine Mutter!