Ich gebe zu. Ich gehöre nicht zur Stammhörerschaft des öffentlich-rechtlichen Fritz-Radios. Und Ken Jebsen war mir bisher vollständig unbekannt. Der Mann, der dort am Sonntagnachmittag eine vierstündige Sendung präsentiert, ist eine Bankrotterklärung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und damit wir das alle mitkriegen darf er weitermachen, obwohl er – übersetzt – den Holocaust für eine PR-Aktion von Goebbels hält, behauptet, die Hamas hätte mit der rechtswidrigen jahrelangen Geiselnahme eines israelischen Soldaten nur ein, zwei Mörder frei gepresst und 9/11 für einen “warmen Abriss” hält. So jemand schimpft sich Journalist. Und erhält im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Sendezeit. Und vom Tagesspiegel Beifall.

Irgendwie scheint selbst im öffentlich-rechtlichen Qualitätsrundfunk die Meßlatte dafür verloren gegangen zu sein, was ein Journalist zu leisten hat. Nach meiner Auffassung ist das eigentlich ganz einfach.

Zunächst einmal hat er eine Faktenlage so zu darzustellen, dass sich jeder unabhängig sein eigenes Bild machen kann. Und dann darf er daraus gerne seine Meinung entwickeln.

Als kritischer Rationalist im Namen Karl Poppers habe ich natürlich den Anspruch, dass die Faktenlage so dargestellt wird, dass sich die Hypothese für den interessierten Betrachter auch als falsch erweisen kann.

Erst wenn der Journalist seinen Rezipienten auf seinen Wissensstand gebracht hat, kann er ihn mit seiner persönlichen Meinung und der professionellen “Einordnung” konfrontieren.

Nun wollen wir mal die Hypothese, der Holocaust sei eine PR-Aktion von Goebbels gewesen, auf Plausibilität überprüfen.

Zwar konnte man sich in Deutschland gewiss einen Reim darauf machen, dass die abtransportierten Juden in den besetzten Gebieten kein Leben wie im Paradies auf Erden führen würden, aber man konnte durch gezieltes Wegschauen auch  ignorieren, was vor sich ging. Im Umkreis der Familie meines Vaters hatten die meisten jüdischen Freunde das Land schon früh verlassen und waren in die USA oder nach Israel emigriert.

Die meisten der sechs Millionen ermordeten Juden stammten auch nicht aus dem “Reichsgebiet” sondern aus ganz und insbesondere aus Ost-Europa. Und die Vernichtungslager wurden nicht vor den Augen der deutschen Öffentlichkeit errichtet, sondern weit im Osten Europas.

Damit dass ich nicht falsch verstanden werden will: Man habe das alles nicht wissen können, ist mit Sicherheit nicht richtig. Wahrer ist eher, dass man nichts wissen wollte. Und seit Ausbruch des Krieges ja auch “genug” mit dem eigenen Schicksal zu tun hatte.

Die Führung der Nazis war sich wohl nicht ganz sicher, ob das deutsche Volk die Massenvernichtung der Juden goutierte. Deshalb hat man zwar gegen sie gehetzt, sie diskriminiert und abtransportiert. Aber nicht öffentlich hingerichtet und exekutiert.

Die ganze schreckliche Wahrheit kam erst nach dem Krieg an´s Licht der Öffentlichkeit. Und viele hielten es zunächst für Propaganda. Die grausame Gewissheit setzte ich erst sehr langsam durch.

Wenn wir nur zur Hypothese des “Journalisten” zurückkehren, der sich selbst als “Irren” bezeichnet, bleibt nichts über von der Behauptung, der Holocaust sei im Grunde eine von Goebbels initierte PR-Aktion gewesen. Mit der Realität hat sie nichts zu tun. Und sie ist schon deshalb absurd, weil die Nazis sich so selbst als Völkermörder stilisiert hätten, um im Zuge der Nürnberger Prozesse das Strafmaß zu maximieren. Auch hier sprechen die Auftritte der überlebenden Claquere und ehemaligen völkischen Elite eine andere Sprache.

Wie kommt ein Mann, der einen solchen Schwachsinn verbreitet, vor das Mikrofon des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und was veranlasst die Senderleitung, ihn nach einem mehrstündigen Gespräch wieder davor zu lassen?

So lange es Zwangsgebührenfunk gibt, handelt es sich hier auch nicht um die Ausübung des Grundrechts für  Meinungsfreiheit, die ein Individuum vor der deutschen Öffentlichkeit ausbreiten muss. Sondern um die nicht vorhandene Einlösung eines wie eine Monstranz vor sich hergetragenen Qualitätsanspruch, den man nicht nur am Werktagsnachmittag bei “Herzflimmern” und “Sturm der Liebe” nicht gerecht wird.

Dass viele junge Menschen, mit solchem Mist konfrontiert werden und den hinterher auch noch glauben, ist das eigentliche Drama und der Verrat, den der RBB nunmehr vorsätzlich an der Jugend übt.