Ob Gysi, Lafontaine oder Wagenknecht: Die Sparkassen sind es, die es den SED/PDS/Linkspartei-Aktivisten angetan haben. Mit denen wäre die Krise nicht passiert. Es spricht mal wieder für die Sachkompetenz der versammelten Moderatorenriege der alltäglich sendenden öffentlich-rechtlichen Talkshows, dass die nicht auf die Idee kommen, da mal nachzuhaken. Denn bei Deutschlands dreigliedrigem Bankensystem gab es nur eine Säule, die wankte: Die Sparkassenorganisation. Und die macht nicht erst seit der Bankenkrise von sich reden. Sondern produzierte Skandale am Fließband: 

Die Landesbanken gehören zur Hälfte den Sparkassen und zur Hälfte dem oder den jeweiligen Bundesländern. Die Sparkassen wiederum sind zwar scheinbar Anstalten öffentlichen Rechts, aber deFacto Eigentum der jeweiligen Kommunen und Landkreise. Wenn eine Landesbank pleite geht, muss die Sparkassenorganisation also für die Hälfte des Schadens aufkommen, die andere trägt der Landeshaushalt. Weil die Sparkassen aber eingedenk der Milliardenforderung ebenfalls pleite gegangen wären, übernahmen die Bundesländer oder der Bankenrettungsschirm die Rechnung.

1. West LB

Bereits 1972 versenkte die WestLB stolze 33 Mio. € bei der Pleite der “Ratio-Gruppe, die einen Beratervertrag mit dem WestLB Vorstandsvorsitzenden Ludwig Poullain unterhielt.

1979 musste ein Engagement des Hauses bei der später insolventen Beton- und Monierbau mit einer 100 Mio. DM hohen Landesbürgschaft abgesichert werden.

2002/2003 versuchte man sich im Investmentbanking und versemmelte bei der englischen Boxclever rund 2 Mrd. €.

Zwar machte man im Jahr 2006 immerhin einen Gewinn von einer Mrd. €. Jedoch wurden im Eigenhandel mit Aktien ein Verlust in Höhe von 600 Mio. € erzielt.

“Toxische Wertpapiere” in Höhe von 23 Mrd. € gliederte die WestLB schlank in eine “Zweckgesellschaft” aus, im gleichen Jahr 2007 machte die Bank einen Verlust von 1,6 Mrd. €

2009 waren insgesamt 85 Mrd. € in der Bad Bank ausgelagert. Die EU-Kommission hat mittlerweile die Zerschlagung der Bank angeordnet, die wiederum Milliarden kosten würde.

2. Landesbank Berlin

Hier war die rechtliche Konstruktion ein wenig komplizierter, da man die Landesbank, die Berliner Sparkasse, die BerlinHyp und die Berliner Bank, die sich alle irgendwie im Eigentum des Landes Berlin befanden, unter dem Dach der Berliner Bankgesellschaft versammelt hatte. Die verspekulierte sich am Immobilienmarkt in Ostdeutschland und das Land Berlin musste Anfang des Jahrzehnts insgesamt 23 Mrd. € aufbringen, um die Verluste zu decken. Pikant, dass aus gerechnet der Befürworter des Bankensystems Gregor Gysi als Kurzzeit-Wirtschaftssenator diente.

3. Sachsen LB

Aufgrund des Immobiliengeschäftes in irischen Zweckgesellschaften musste die Sachsen LB 2007 eine Kreditlinie in Höhe von 17,3 Mrd. € in Anspruch nehmen. Kreditgeber waren die Sparkassen.

Letztlich wurde die Bank von der Landesbank Baden-Württemberg übernommen, das Land Sachsen musste für mehr als 2 Mrd. € bürgen.

4. Landesbank Baden-Württemberg

Zwar wird für das Krisenjahr 2008 “nur” ein Minus von zwei Milliarden € ausgewiesen, doch das muss in Wahrheit viel höher gewesen sein: Das Land, die Stadt Stuttgart und die Sparkassen stellen eine Kapitalspritze von fünf Milliarden € zur Verfügung und übernehmen Ausfallbürgschaften in Höhe von 12,7 Mrd. €. Macht zusammen nicht einmal 20 Mrd. €.

5. Bayern LB

2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden € die österreichisch Hypo Group Alpe Adria und finanziert damit die Wahlgeschenke Jörg Haiders. 2009 wurde die Transaktion für den Gegenwert von einem Euro rückabgewickelt. Der Vorstandsvorsitzende Kemmer trat zurück. Heute ist er ausgerechnet als Geschäftsführer des Privatbanken-Verbandes in den Talk-Shows von Maischberger bis Will zu Gast.

Im Zuge der Finanzmarktkrise ergaben sich erhebliche Verluste. Der Freistaat Bayern entlastete die Miteigentümer von den Sparkassen dadurch, dass er die Eigenkapitalhilfe in Höhe von 7 Mrd. € zur Verfügung stellte. Der Bund sprang der BayernLB mit 15 Milliarden € bei.

6. HSH Nordbank

Im Zuge der Finanzkrise machte das auf Schiffsfinanzierungen spezialisierte Haus, dass den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg im wesentlichen gehört, einen Verlust in Höhe von ca. 2,4 Mrd. € im Jahr 2008 aus. Zusätzlich waren Garantien durch den Bankenrettungsfonds in Höhe von 30 Mrd. € erforderlich.

Übrigens sind auch die Sparkassen nicht ohne Fehl und Tadel. Auch ihren Weg säumten Skandale. Aber das überrascht jetzt wohl keinen mehr.

Diese Auflistung ist dank Wikipedia und dem online freizugänglichen SPON-Archiv binnen zwei Stunden entstanden. Warum machen sich die Redaktionen von Jauch und Konsorten nicht auch mal die Mühe, die Hypothesen ihrer Gäste nach zu recherchieren?